Gametests Testbereich

Test: Might and Magic Heroes 6

Seit Jahren suchen Anhänger der Serie „Might and Magic“ einen würdigen Nachfolger des dritten Teils. Nun kommt mit „Might and Magic Heroes 6“ nicht nur ein umgestellter Name daher, sondern auch eine Menge kleiner Änderungen. Ob Blackhole damit den richtigen Weg eingeschlagen hat oder ob sie völlig neben der Spur sind, erfahrt ihr in unserem Test.

Vorab

Spätestens seit 1999 gehört „Heroes of Might and Magic“ zu einer der wohl größten Spielereihen in Sachen Rundenstrategie. Damals erschien der dritte und bis dahin immer noch beliebteste Teil der Serie. Drei Jahre später kam der vierte Teil, der am Ende den Untergang des damaligen Publishers „3DO“ besiegelte. Das Spiel kam bei den Fans einfach nicht an; Zu viele Neuerungen, die teilweise wenig durchdacht schienen. Im Folgenden kaufte Ubisoft das Label und brachte es mit dem fünften Teil zurück zu den alten Wurzeln.
Nun kommt der sechste Teil in die Läden und es hat sich wieder einiges geändert – Vor allem der Name! Ist es damit nicht der gleiche Fehler den damals „3DO“ gemacht hatte?
Eine weitere Gemeinsamkeit zum vierten Teil fällt auf, dass das Spiel am Anfang eine gehörige Menge Fehler mit sich bringt. Trotz einem bereits ca. 500 MB großen Patches, den ihr vor dem ersten Start erst einmal herunterladen müsst.

Es bleibt natürlich abzuwarten, ob es in Zukunft noch weitere Patches geben wird. Da bis jetzt schon 2 Patches den Weg ins Freie gefunden haben ist die Hoffnung groß, dass sich die Fehler bald in Luft auflösen.

Bis dahin aber mindern die große Masse an zufällig (auch kurzzeitig) auftretenden Grafikbugs den allgemeinen Spielspaß. Sogar einige Autosaves sind uns schon verschwunden. Einen kompletten Absturz hatten wir allerdings noch nicht erlebt.

Alles beim alten…

… zumindest gilt dies für das eigentliche Spielprinzip. Ihr wählt euch zuerst eine der fünf zur Verfügung stehenden Fraktionen aus, dann lauft ihr mit eurem Helden über die Karte, sammelt Ressourcen ein, baut die Stadt aus, heuert Truppen an usw.

Ihr kämpft wie in den besten Tagen mit euren Truppen auf einem separaten Schlachtfeld, welches in gewissen Teilen von der eigentlichen Karte abhängig ist. Das heißt: Habt ihr den Kampf auf einer Brücke begonnen, erwartet euch auch eine Brücke auf dem Schlachtfeld und nicht etwa blühende Wiesen. Der Held ist lediglich für Spezialattacken oder Zauber zu haben, kann aber nie direkt angegriffen werden. Sind alle Kreaturen aus der Armee eines Helden besiegt, so gilt dieser als geschlagen. Neben gegnerischen Helden, ob Mensch oder PC, stehen wie immer eine Menge einzelner Kreaturen auf der Karte, die die Mienen, Gegenstände oder Artefakte beschützen. Nach jedem Kampf kann sich der Held über gewonnen Erfahrung freuen und sich auf seinen nächsten Level-Aufstieg freuen.

Der Held in seiner Entwicklung

Das gilt im Besonderen wenn man sich das neue Fähigkeiten-System anschaut. Nun ist es nicht mehr wie ein Glücksspiel in Vegas, wo ihr vier verschiedene Möglichkeiten habt, von der ihr vielleicht gar keine wollt. Nein!

Alles was man so im Laufe der Entwicklung eines Charakters erlernen kann, steht euch frei. Wobei einige Fähigkeiten erst ab Level 5 und wenige erst ab Level 15 frei verfügbar sind.
Dass das eine ganze Menge ist, die es auch noch gilt ordentlich zu präsentieren, war den Entwicklern wohl klar, leider haben sie es aber nur teilweise geschafft. Für den Einsteiger ist es eine ganz schön haarige Angelegenheit sich durch die ganzen Möglichkeiten durchzuackern. Der der dieses Spiel dann aber regelmäßig in die Hand nimmt, wird sich einigermaßen gut zu Recht finden und auch schon wie in den Vorgängerteilen einige Möglichkeiten außen vorlassen und einige bevorzugen.

Weniger ist manchmal mehr

Auch Heroes kommt an der Wirtschaftskrise nicht vorbei und so hat man bei den Rohstoffen mal den Rotstift angesetzt und diese von 6 auf 3 verfügbare gekürzt. Ist es gut die Rohstoffanzahl auf 3 zu straffen und überlebt das ein gestandener Fan?

Die Antwort auf den ersten Teil der Frage lautet Ja und Nein. Ja weil es zu einem deutlich schnelleren Spielfluss führt, vor allem das Spielen im Hot-Seat-Modus wird etwas angenehmer. Und Nein, weil es an der einen strategischen Ressource mangelt, die in den Vorgänger Teilen eine Art Belagerung ermöglichte. Nun hat man schnell alles nötige beisammen und ist nur noch von Gold abhängig, welches auf normalen Schwierigkeitsgraden schon nach zwei Wochen reichlich ausgeteilt wird.

Dem Altertum angelehnt

Eine weitere Neuerung ist die Abgrenzung der Gebiete. Zu jedem Gebiet gehört entweder eine Stadt oder einer Festung. Das erinnert mich an den Geschichtsunterricht in der Schule, wenn es ums Mittelalter ging und irgendwie ist man damit ja gar nicht so weit entfernt – auch wenn es sich natürlich um eine Fantasy Welt handelt.

In der Stadt könnt ihr wie gewohnt Einheiten rekrutieren und Gebäude bauen bzw. ausbauen. Hier fällt schnell der Verlust der Magiergilden auf, auch sonst wurden Gebäude auf ein Minimum gekürzt, dass soll die Geschwindigkeit des Spiels erhöhen und ist teilweise ein schmaler Grat. Was im leichteren Spiel einfach zu schnell fertig ist, macht das Spiel gegen echte Menschen zu einem wahren Hit. Leider ist die Stadtansicht fast komplett weggefallen.

Die Gebiete sorgen aber auch dafür, wenn ihr eine Stadt kontrolliert, dass euch niemand einfach so die Mienen wegnehmen kann. Das ist insofern angenehm, dass nicht dauernd leere Helden herumtanzen und einen Drangsalieren. Allerdings gibt es explizit hierfür auch eigene Skills, mit denen ihr des Gegners Mienen plündern oder diese sabotieren könnt. Wird eine Stadt oder Festung in einem Gebiet eingenommen, so werden auch sofort die dazugehörigen Mienen dem neuen Besitzer übergeben.

Du bist dein eigener Herr

Eine weitere gelungene Neuerung ist die Gesinnung des Helden. So könnt ihr durch das einsetzten verschiedener Fähigkeiten, sowie ein paar Entscheidungen bei einigen Quest, Punkte in der Gesinnung sammeln. Die da wären Träne, welche für gute Taten stehen und Blut, die für eher böse Taten zählen. Beides bietet neben einem veränderten äußerlichen Aussehen auch noch ein paar Spezial Fertigkeiten, die dann von eurem Held im Hauptkampf eingesetzt werden. Tendenziell ist es allerdings deutlich einfacher auf die gute Seite zu kommen, da ihr für die Entscheidung schwache Gegner fliehen zulassen fleißig Punkte in der Richtung sammeln könnt.

Zum Wohle der Dynastie

Die Kampagne startet netter weiße mit einer kleinen Einführung in das Spiel und stellt so nicht nur den Start der Geschichte da, sondern auch ein kleines Tutorial, für welches ihr aber schon eine gewisse Zeit einplanen müsst. Habt ihr diesen Abschnitt erfolgreich absolviert, stehen euch fünf Kampagnen zur Verfügung. Wer die Story wirklich verstehen will, sollte diese von links nach rechts durcharbeiten, denn nur so ist der eigentliche Hintergrund der Geschichte und wieso man zu einer Dynastie gehört, schneller zu verstehen. Denn die fünf Helden, die ihr in den Kampagnen verkörpert sind alles Nachfahren des zuvor im Tutorial gespielten Helden Slava. Im Laufe der Zeit stellen sich so klare Verbindungen zwischen den verschiedenen Kampagnen ein, die zu Erfahren es richtig Spaß macht.

Zwar stellt sich einem eine epische Story in den Weg, die bewältigt werden will, leider aber fehlt es den Ingame-Zwischensequenzen an Details. Meistens aber werdet ihr von Textboxen über den aktuellen Stand, Entwicklungen oder Hintergründe informiert. Die Qualität der Sprecher reicht hier von wirklich gut bis scheinbar gelangweilt. Ab und wann erwarten euch auch richtig gute animierte Szenen, die durchaus Film-Niveau haben.

Insgesamt dürft ihr mit der Kampagne sicher ca. 150 Stunden Spielzeit haben. Und damit nicht genug, denn Heroes of Might and Magic ist eigentlich kein Einzelspieler-Spiel.

Es lebe das Internet

Natürlich ist auch ein Online-Multiplayer mit an Bord. Als sehr angenehm empfanden wir den Chat, den ihr über die Enter-Taste erreicht und so im Spiel auch mal um Hilfe fragen könnt. Es gibt neben einem allgemeinen deutschen Chat auch viele von bekannten Fanseiten der Serie. Auf den Kampagnen-Karten befindet sich dann auch immer „Conflux“ in dem ihr für andere Spieler aus aller Welt eine Nachricht hinterlassen könnt – Sinn und Nutzung sei mal dahin gestellt.

Das ist man schon von Ubisoft gewohnt: Zum ersten Spielstart ist eine Internetverbindung zwingend notwendig.

FAZIT

„Might and Magic Heroes 6“ ist ein absoluter Erfolg. Es vereint die besten Grundlagen der Serie mit intelligenten Neuerungen, die das Spiel ein wenig schneller machen. – Allerdings nicht rasend, es ist ja immer noch ein rundenbasiertes Spiel und somit doch recht gemütlich – Somit gibt es endlich einen würdigen Nachfolger von Heroes III. Es bleibt aber abzuwarten, ob Ubisoft die aktuellen Bugs noch ausmerzen wird, davon ausgehend gibt es eine absolute Kauf-Empfehlung. Fans der Reihe müsste man es sogar aufzwingen.

Autor: Matthias Birkenstock

Gameplay: 95%
Multiplayer: 90%
Grafik: 80%
Sound: 85%
GESAMT: 83%


Jetzt kaufen

Offizielle Webseite






1 Kommentar

Kommentare sind geschlossen.