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Test: Battlefield 4

Es ist Herbst! Das heißt es ist auch wieder Shooter-Zeit! Electronic Arts möchte dieses Jahr mit Battlefield 4 neue Maßstäbe setzen und verspricht eine nervenaufreißende Kampagne und einen hitzigen Multiplayer. Kann Entwickler DICE nur zwei Jahre nach Battlefield 3 einen weiteren Action-Kracher abliefern oder sollten Shooter-Fans lieber auf andere Titel warten? Unser Fazit wird Serienkenner wenig überraschen…

China und Russland gegen Amerika?!

In der Singleplayer-Kampagne von Battlefield 4 schlüpft ihr in die Rolle des Soldaten Recker, der mit seinem Tombstone-Squad unterwegs ist. Die Hintergrundgeschichte wurde uns dabei nicht wirklich klar. Irgendwie kämpft halt mal wieder Russland gegen die USA und die Chinesen reden auch noch ein wenig mit. Euer Squad ist dabei auf dem Kriegsschiff Valkyrie stationiert. Doch bei einem Überfall werden plötzlich alle anderen Einheiten und Schiffe ausgelöscht und ihr seid sozusagen mal wieder alleine unterwegs und müsst die Welt retten.

Irish und Hannah werdet ihr im Laufe der Story kennen lernen.

Irish und Hannah werdet ihr im Laufe der Story kennen lernen.

Aber selbst nach dem Abspann werdet ihr noch offene Fragen haben. Eine gut erzählte Geschichte sieht anders aus. Der wohl kurioseste Moment war, als ihr mit eurem Squad in eisigen Gebirgen gefangen seid. Alleine und ohne Proviant. Wie kann man eine solche Situation nur überleben? Die Entwickler wussten das wohl auch nicht und schicken euch nach der Einblendung “Zwei Tage später” zur nächsten Mission in wärmere Gebiete. Diesem Sprung kann man aber wenigstens zu Gute halten, dass die Umgebungen der einzelnen Einsätze abwechslungsreich und aufwändig gestaltet sind. Mal seid ihr in eisigen Gebirgen, dann in hitzigen Wüsten.

Schießen, Panzer fahren und schießen

Das Missionsdesign beschränkt sich in der Kampagne auf lineare Shooter-Level. Manchmal dürft ihr aber auch ans Steuer. Zum Beispiel heizt ihr dann in einem Motorboot übers Meer und erledigt gleichzeitig Feinde. Ein obligatorischer Panzer-Level fehlt natürlich auch nicht. Schade nur, dass der Einzelspielermodus komplett auf eine Mission in der Luft, zum Beispiel mit einem Hubschrauber verzichtet. Freiheiten habt ihr in der Kampagne kaum. Manchmal dürft ihr aber überlegen, wie ihr einen Level am besten abschließt. Schleicht ihr euch um das Gefährt herum und erledigt es mit einer Panzerfaust oder platziert ihr Minen und hofft, dass sich der Gegner dort hin verirrt?

Die Schwierigkeit der einzelnen Missionen ist sehr unterschiedlich. Meistens ist das Spiel aber gut zu meistern. Das liegt vor allem an der Gegner-KI. Gerade auf kurze Distanzen wirken die Computergegner nämlich oft ein wenig verwirrt. Seid ihr auf nächster Nähe mit einem Gegner, will dieser nur selten zum Nahkampf übergehen und versucht lieber weit weg zu rennen, um euch dann wieder aufs Korn zu nehmen. Da habt ihr natürlich schneller den Abzug betätigt. Gerade wenn aber ganze Horden von Gegnern auf euch einströmen, was in der Kampagne an einigen Punkten passiert, kann es durchaus ein wenig schwieriger werden.

Im Gameplay gibt es wenig Innovation. Ihr ballert euch im Normalfall nur durch Horden von Gegnern.

Im Gameplay gibt es wenig Innovation. Ihr ballert euch im Normalfall nur durch Horden von Gegnern.

Im Kampf stehen euch meistens noch weitere Squad-Mitglieder zur Verfügung. Diese könnt ihr nun auch zum Angriff befehligen. Wie im Multiplayer könnt ihr über ein Sichtgerät Gegner “spotten” (markieren) und dann per Tastendruck eure Teammitglieder auf sie ansetzen. Besonders gute Schützen sind die Kollegen aber nicht. Neu ist auch, dass ihr nun Punkte wie im Multiplayer für jeden Abschuss erhaltet. Der genaue Sinn hinter diesen Punktzahlen ist uns nicht klar geworden. Ihr könnt sie aber jedenfalls mit euren Freunden vergleichen und so sehen, wer sich wohl am besten angestellt hat. Oder ihr versucht selbst euren Highscore zu knacken aber einen großen Wiederspielwert bietet Battlefield 4 trotz drei verschiedener Enden nicht wirklich. Gerade eine richtige Beziehung zu den Charakteren baut man nicht auf, sodass man nicht wirklich Lust hat auszuprobieren, was passiert, wenn man sich an einem Punkt anders entscheidet. Andere Spiele wie Bioshock Infinite haben das klar besser gemacht.

Zusammengefasst ist die Kampagne von Battlefield 4 nicht wirklich schlecht. Der ein oder andere Moment bleibt euch sicher im Gedächtnis und vor allem die Frostbite 3 Engine mit ihrer guten Technik macht den Singleplayer des Spiels durchaus sehenswert. Die 5 bis 6 Stunden mit Recker und seinen Kollegen können also durchaus zu unterhalten, wären als alleiniges Spiel aber kein Kaufgrund. Battlefield 4 hat da ja nämlich noch viel mehr zu bieten.

Das Herzstück

Das Herzstück eines Battlefield-Spiels ist natürlich wieder der Multiplayer und viele Spieler werden sich auch nur deswegen für den Titel interessieren. Das größte angepriesene Feature heißt “Levolution” und verspricht interaktivie Maps, die sich während der Schlecht verändern. Klingt sehr gut, ist in der Praxis allerdings dann doch nicht so ganz spektakulär. Das zusammenstürzende Hochhaus auf der Shanghai-Map sieht zweifelsfrei gut aus aber so richtig interaktiv wirkt das Ganze nicht, da das Hochhaus ja doch immer in die gleiche Richtung zusammenfällt. Da wirkt das ganze eher nach einem gescripteten Event. Auf der Map “Paracel Storm” kann Levolution aber wiederum überzeugen. Hier verändert sich während eines Spiels nämlich das Wetter und ein heftiger Sturm zieht auf, was die ganze Karte wirklich in einem anderen Licht erscheinen lässt. Levolution klingt also spannend, ist allerdings noch nicht voll ausgeschöpft. Aber man kann gespannt sein, was kommende Maps noch an Levolution-Features bieten werden.

Levolution klingt gut, ist aber noch nicht voll ausgeschöpft.

Levolution klingt gut, ist aber noch nicht voll ausgeschöpft.

Weitere Neuerungen finden sich im Detail. Die Klassen blieben weitesgehend gleich mit wenigen Neuerungen. Zum Beispiel hat der Aufklärer nun von Anfang an C4 im Gepäck und der Pionier hat standardmäßig eine Panzerfaust, die eine automatische Zielsuche eingebaut hat. Mit an Bord sind wieder die klassischen Battlefield-Spielmodi Rush und Conquest oder ihr versucht euch an einem Team-Deathmatch. Neu ist der Spielmodus Obliteration. Hier taucht auf der Map irgendwo eine Bombe auf und die Teams müssen die Bombe einsammeln und an der gegnerischen Basis platzieren. Vor allem im Umfeld der Bombe entstehen dann spaßige Gefechte. Zurück ist auch der Commander-Modus aus Battlefield 2. Die passenden Apps für Tablets sollen hier aber erst am 19. November erscheinen.

Im Vergleich zu anderen Shootern bietet Battlefield 4 bekanntlich die Möglichkeit auch mit Fahrzeugen in den Kampf zu ziehen. Hier gibt es von Quads über Panzer bis hin zu Jets auch wieder ein großes Repertoire. Insgesamt fallen die Spielkarten auch ein wenig fahrzeuglastiger aus als noch Battlefield 3. So gibt es nun auf fast allen Karten auch fliegende Gerätschaften und nur eine Map unterstützt gar keine fahrenden Untersätze. Gerade Anfänger werden aber von der komplizierten Steuerung der Panzer und Hubschrauber abgeschreckt. Hier hat DICE sich nun aber auch eine Lösung einfallen lassen: Das Testgelände. Hier gibt es Hubschrauber, Panzer und andere Fahrzeuge zum ausprobieren. Ohne, dass ihr eure wertvollen Statistiken durch Hubschrauberabstürze und andere Dämlichkeiten verschlechtert.

Kriegstechnik

Technisch wird Battlefield 4 von der neuen Frostbite 3 Engine angetrieben. Diese zaubert auf dem PC, wie man auch in vielen YouTube-Videos bestaunen kann, eine beeindruckende Kulisse. Auf den aktuellen Konsolengenerationen (wir haben die Xbox 360-Version gespielt), muss man allerdings einige Abzüge in Kauf nehmen. Zum einen dürfen online nur maximal 24 Spieler aufs Schlachtfeld und nicht wie auf PC und Next-Gen 64. Das ist natürlich ein gewaltiger Unterschied.

Auf der Map Paracel Storm verändern sich die Wetterbedingungen.

Auf der Map Paracel Storm verändern sich die Wetterbedingungen.

Außerdem fallen auf den aktuellen Konsolen unscharfe Texturen und kleinere Bugs auf. Gerade nachdem ihr in eine Online-Partie einsteigt, dauert es oft noch ein wenig, bis die Map wirklich voll geladen ist und erst nach kurzer Zeit tauchen Objekte wie Gitter oder Bäume und Sträucher auf. Dafür sehen Explosionen und Animatonen der Figuren aber sehr realistisch aus. Deprimierend sind leider immer noch gelegentliche Spielabstürze im Multiplayer, wenn sich die Konsole vollkommen aufhängt. Das ist ärgerlich und DICE sollte hier schnell Updates bereitstellen. Soundtechnisch überzeugt Battlefield 4 hingegen vollkommen. Die Soundeffekte haben einen ordentlichen Rumms und der bekannte Battlefield-Soundtrack untermalt das Spiel passend.


8.0/10
Um es kurz zu machen: Multiplayer hui, Singleplayer pfui! Nagut ganz so schlimm ist die Kampagne rund um Recker und seinen Squad nicht. Allerdings ist das moderne Weltkriegsszenario einfach schon sehr ausgelutscht und vor allem die Intelligenz euer Teamkollegen und die der Gegner wird euch schnell enttäuschen. Auf der anderen Seite ist aber der Multiplayer. Der bietet im Vergleich zu Battlefield 3 zwar nicht unzählige Neuerungen, verspricht aber dennoch wieder stundenlangen Spielspaß in hitzigen Gefechten. Technisch macht Battlefield 4 nichts falsch, auch wenn es grafisch auf den aktuellen Konsolengenerationen kleinere Probleme gibt. Vor allem überzeugt aber der bombatische Soundtrack mit realistischen Soundeffekten. Auf dem Online-Schlechtfeld werden alle Multiplayer-Fans wieder sehr viel Spaß haben.

battlefield.com/de/battlefield-4 (Offizielle Webseite)

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Getestet wurde die Xbox 360 Version des Spiels