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Test: Far Cry 4

Open World-Spiele sind doch was schönes. Die Entwickler geben dem Spieler Freiheiten und die riesigen Welten laden zum Erkunden und Entdecken ein. Ubisoft brachte dieses Jahr eine ganze Menge Spiele mit offenen Welten heraus. Watch Dogs, Assassin’s Creed Unity oder The Crew beispielsweise. Wer allerdings gern Shooter in der Ego-Perspektive spielt, wird Far Cry 4 genauer im Auge behalten haben. Kann der nun schon vierte Teil an dem Erfolg des dritten Teils anknüpfen?

Inseln, Wüsten und Berge

Eines muss man der Far Cry-Serie zu Gute halten. Ubisoft bringt sie (noch) nicht jährlich auf den Markt, wie beispielsweise die Assassin’s Creed-Spiele und lässt den Entwicklern Zeit, das Spiel reifen zu lassen und auch als Spieler hat man mal eine Verschnaufpause vor der Serie. Far Cry hat eine lange Reise hinter sich. Der erste Teil erschien 2004 und es verschlug euch auf eine tropische Insel. Im zweiten Teil ging es in die brennend heiße Wüste. Hier wusste Ubisoft aber nicht wirklich wie man die offene Welt mit Leben und Aktivitäten füllt und damit rief das Spiel gemischte Reaktionen bei den Spielern hervor. Mit dem dritten Teil 2012 ging es wieder auf eine tropische Insel und diesmal erwischte Ubisoft die richtigen Elemente und bot eine mit Leben gefüllte Insel mit viel Aktivitäten für den Spieler. Also kann man im vierten Teil doch nichts falsch machen, oder?

Far Cry 4 Schnee

Far Cry 4 spielt im Himalaya-Gebirge. Schauplatz ist das fiktive Land Kyrat. Ihr schlüpft in die Rolle von Ajay Ghale, der nach Kyrat reist, um dort die Asche seiner Mutter zu bestatten. Allerdings geht das natürlich schief. Er hätte mal besser die Warnungen des auswärtigen Amtes ernst nehmen sollen, denn Kyrat ist zerrüttet durch einen Bürgerkrieg. Wie auch schon in Far Cry 3 gibt es einen widerlichen Diktator, der das Volk unterdrückt und Widerstandskämpfer der Vereinigung Goldener Pfad versuchen sich dagegen zu wehren. Später stellt sich heraus, dass Ajay der Sohn des Gründers des Goldenen Pfades ist und somit schließt er sich der Vereinigung an und kämpft für ein freies Kyrat.

Dabei seid ihr in der riesigen Welt unterwegs und erfüllt diverse Missionen. Das Spiel stellt euch vor Entscheidungen, die ihr treffen müsst. Die Widerstandskämpfer werden von Amita und Sabal geführt, allerdings haben beide verschiedene Ansichten, was das richtige für die Zukunft des Landes ist. Amita denkt oft sehr rational und will den Krieg schnell gewinnen. Sabal denkt hingegen auch an die Menschenleben, die der Krieg fordert. Ihr müsst euch entscheiden, welche Missionen ihr übernehmt und beeinflusst dadurch auch die Handlung.

Tu dies, tu das!

Auch abseits der Missionen gibt es eine Menge zu tun. Wirklich eine Menge! Far Cry 4 fühlt sich hier teilweise wie eine nervige Freundin bzw. ein nerviger Freund an, die dauernd etwas unternehmen möchte oder euch dauernd anruft oder auf sich aufmerksam macht. Ihr braucht nur mal auf dem Weg zu einer Mission zu sein und schon taucht wieder irgendeine zufällige Nebenmission auf. Teilweise kann man schon das Gefühl haben, dass es die Entwickler damit wirklich übertreiben. Hier könnt ihr Gefangene befreien, dort irgendwelche Güter transportieren. An anderer Stelle müsst ihr ein Attentat durchführen oder einen Laster entführen. Euch bleibt keine ruhige Minute. Selbst wenn ihr keine Nebenmission bewusst startet, wird euch das Spiel auf Trab halten. Dann tauchen nämlich patrouillierende Feinde auf, die euch plötzlich angreifen; oder wilde Tiere schleichen sich an, die gerne etwas von euch abhaben wollen. Quantität statt Qualität ist hier angesagt.

Far Cry 4 Nashorn

Apropos Tiere. Die Wildnis spielt auch in Far Cry 4 wieder eine wichtige Rolle. Es gibt eine große Tierwelt zu bestaunen, die ihr aber auch bejagen solltet und müsst. Durch gesammelte Felle erweitert ihr nämlich den Inhalt eures Geldbeutels oder euren Waffengurt. Ihr solltet möglichst direkt nach der ersten Mission auf die Jagd gehen, um euren Charakter gleich zu upgraden. Sonst werdet ihr es in späteren Missionen schwer haben, wenn ihr noch immer nur maximal zwei Waffen tragen könnt. Daneben gibt es aber auch noch unzählige Truhen zu offnen, die in der ganzen Welt versteckt sind und ihr sammelt Blätter von Sträuchern und Büschen, die ihr wiederum zu Spritzen verarbeitet. Die Spritzen versorgen euch dann für kurze Zeit mit Spezialkräften, wie z.B. die Fähigkeit automatisch Gegner oder Tiere zu orten.

Abseits davon gibt es auch noch unzählige Außenposten zu befreien und 17 Türme zu erobern. Diese Spielelemente kennt ihr als Far Cry 3 Spieler bereits. Die Außenposten befreit ihr, indem ihr alle Gegner an dem Ort erledigt. Das könnt ihr leise schleichend oder mit viel Wucht und Explosionen tun. Mehr Punkte gibt es natürlich mit der leisen Methode. Als Gewinn erhaltet ihr dann einen Schnellreise-Punkt auf der Karte. Die Türme hingegen müsst ihr hinaufklettern. Sie bestehen aus kurzen einfachen Rätseln in denen ihr meistens die richtigen Aufstiegspunkte finden müsst. Manchmal sind auch noch ein oder zwei Feinde am Turm, die ihr vorher erledigen solltet. Habt ihr den Turn dann erklommen, startet ihr – ähnlich wie in Assassin’s Creed – eine Synchronisation und ein kleiner Teil der Karte wird für euch sichtbar.

Wo sind die Neuerungen?

Soweit so gut. Jeder, der bereits Far Cry 3 gespielt hat, wird sich aktuell noch fragend am Kopf kratzen. Was ist denn jetzt eigentlich neu im vierten Teil? Die Neuerungen liegen im Detail. Far Cry 4 ist eben immer noch ein Far Cry-Spiel und nutzt die gleichen Gameplay-Elemente wie der dritte Teil. Verbessert wurde aber zum Beispiel die Karte, die nun endlich eine Navigationsfunktion bietet. Bei den Tieren gibt es nun auch Elefanten, auf denen ihr sogar reiten und so ein Lager erobern könnt oder ihr nutzt einen Köder, um wilde Tiere anzulocken und so den Gegnern einzuheizen. Neu ist auch ein kleiner Hubschrauber, mit dem ihr die Gegend erkunden oder eben auch von der Luft aus eure Gegner beschießen könnt.

Far Cry 4 Tuktuk

Das sind alles keine wirklich innovativen weltbewegenden Neuerungen aber das Gameplay macht dadurch noch mehr Spaß. Die größte Neuerung ist natürlich das Setting im Himalaya und das kann jetzt eben auch mal mit anderen Vegetationen als nur heiße Tropen auf sich aufmerksam machen. So gibt es auch Schneelandschaften oder andere geheimnisvolle Orte. Auch technisch ist hier natürlich einiges überarbeitet worden. Noch immer ist die Dunia-Engine im Hintergrund aktiv. Sie zaubert euch nun eine wirklich beeindruckende Fernsicht auf den Bildschirm und zudem läuft das Spiel durchgehend flüssig. Bei den Effekten können vor allem Explosionen und Feuer überzeugen. Dazu gibt es in Far Cry 4 noch einen spaßigen Koop-Modus sowie einen soliden Multiplayer mit Karten-Editor. Auch abseits der überfüllten Kampagne gibt es also noch die ein oder andere Stunde Spielspaß.


8.5/10
Far Cry 4 ist tatsächlich das größte und umfangreichste Far Cry-Spiel aller Zeiten. Unzählige Nebenaufgaben und Aktivitäten werden euch aufgedrängt. Dauernd wird irgendeine Nebenmission eingeblendet und die Karte des Spiels quillt von Aktivitäten nur so über. Das mag nicht jedem Spieler gefallen. Allerdings bekommt man hier wirklich eine Menge für sein Geld geboten.

far-cry.ubi.com (Offizielle Webseite)

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Getestet wurde die Xbox One-Version.