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Test: Zeiss VR One

Virtuelle Realität wird immer populärer. Spätestens seit dem Kickstarter-Erfolg von Oculus Rift, ist das Thema in aller Munde. Von Zeiss, einem Unternehmen das man vor allem als Hersteller hochwertiger Optik kennt, kommt nun ein VR-Headset (Virtual Reality) in den Handel, das mit einem Preis von unter 100 Euro überzeugen will. Ob das gut funktioniert, haben wir getestet.

Warum teure Komponenten wie Display und Gyrosensor kaufen, wenn ihr sie schon im Smartphone habt?

Warum teure Komponenten wie Display und Gyrosensor kaufen, wenn ihr sie schon im Smartphone habt?

Im Grunde muss ein VR-Headset, beziehungsweise eine solche Brille, keine teure Angelegenheit sein. Die teuren Komponenten sitzen im inneren. Display, Gyrometer und Co. kosten Geld und treiben die Preise für die meisten Headsets in die Höhe. Meistens hat man solche Komponenten aber sowieso schon dauernd in der Hosentasche und zwar in Form eines Smartphones. Moderne Geräte wie das iPhone 6 von Apple oder Geräte von Samsung wie das Galaxy S5 bieten die nötigen Sensoren und ein hochauflösendes Display. Warum also nicht einfach das verwenden was man ohnehin schon hat? Das ist das Konzept des Zeiss VR One. Es verzichtet auf Display und Sensoren und ist im Grunde eben nur eine Plastikbrille mit passendem Schiebefach für euer Smartphone. So kommt es auch zum Preis von nur 99 Euro.

Das VR One ist insgesamt sehr gut verarbeitet. Natürlich sieht es immer etwas unvorteilhaft und futuristisch aus, wenn man ein VR-Headset vor den Augen hat. Das kann Zeiss auch nicht ändern, aber die Verarbeitung macht immerhin einen sehr hochwertigen Eindruck. Um die Brille in Betrieb zu nehmen, benötigt man eine passende Handyschale. Man muss beim Kauf also schon die Entscheidung treffen, ob man ein iPhone 6 oder ein Galaxy S5 in die Brille schieben möchte. Andere Geräte werden bisher leider noch nicht unterstützt. Zeiss will in Kürze aber noch viele Schalen für andere Handys von Samsung, das LG G3 oder das Nexus 5 anbieten. In der Schale sitzt euer Gerät ziemlich fest und sie gibt den Anschluss für Kopfhörer oder Ladekabel frei. Die Schale muss in das Gerät geschoben werden und auch hier sitzt sie sehr stabil und kann auch bei schnellen Kopfbewegungen nicht herausfallen.

Die Brille sitzt dank des verstellbaren Gurts fest auf eurem Gesicht.

Die Brille sitzt dank des verstellbaren Gurts fest auf eurem Gesicht.

Das VR One ist also solide verarbeitet und macht einen modernen Eindruck. Das allein macht das Gerät aber nicht zu einer guten VR-Brille. Auch und vor allem die Funktion muss natürlich stimmen. Wir haben das Gerät in Verbindung mit einem iPhone 6 getestet und hier hat es einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Die Kopfbewegungen werden vom iPhone gut erkannt und auf das Bild übertragen. Lediglich die Display-Auflösung lässt ein wenig zu wünschen übrig. Wie beim aktuellen Oculus Rift-Prototyp lassen sich auch hier die Pixel vor der Nase abzählen. Das eigentlich sehr hochaufgelöste iPhone-Display wird nämlich durch die Brille stark vergrößert. Dennoch sorgt die Brille für einen gewissen Wow-Effekt beim ersten Ausprobieren.

Der wichtigste Punkt ist aber die Unterstützung von Apps. Direkt von Zeiss gibt es zwei nennenswerte Apps. Eine zum Betrachten von Medieninhalten. Hier sitzt ihr in einem virtuellen Kino, schaut auch um und trefft durch Kopfbewegungen Auswahl im Menü. Die andere App bietet euch eine „Augmented Reality“-Erfahrung. Hier wird die Kamera des Smartphones genutzt, um euch eure eigene Umgebung vor die Augen zu zaubern. Platziert ihr nun den beiliegenden Würfel vor euch, fliegen Raumschiffe umher oder es passieren ähnliche kleine Spielereien. Nett zum Ausprobieren, allerdings verliert diese App nach einigen Minuten an Reiz, da sie nicht genug Tiefgang bietet und eben mehr eine Demonstration der technischen Möglichkeiten ist. Dafür gibt es im Google Play Store oder iTunes Store aber eine Menge Anwendungen anderer Anbieter. Anwendungen, die beispielsweise für das Cardboard von Google oder anderen Brillen entworfen wurden, funktionieren meistens auch mit der Zeiss-Brille. Hier kann man dann eine virtuelle Achterbahnfahrt ausprobieren oder in einem Park Dinosaurier bestaunen. Das sind alles keine Apps, die stundenlange Unterhaltung versprechen, sie beeindrucken teilweise aber doch durch schicke Grafik und den gut funktionierenden VR-Effekt. Zudem hilft Zeiss bei der App-Unterstützung noch nach. Beim VR One App Contest konnte man in den vergangenen Wochen Ideen für VR-Apps einreichen oder sich auch selbst als Entwickler beteiligen. Über 500 Ideen aus den verschiedensten Bereichen wurden bisher gesammelt. Potential für die Zukunft ist also noch reichlich vorhanden.

Zeiss VR One

Insgesamt ist die Zeiss VR One ein tolles Einsteigergerät, wenn man ein wenig VR-Luft schnuppern möchte. Der Preis ist fair und die Verarbeitung hochwertig. Allerdings lässt die App-Unterstützung derzeit noch zu wünschen übrig. Das ist aber ein Problem, das auch andere Brillen haben. Die virtuelle Realität steckt noch in den Kinderschuhen und demnach gibt es bisher noch keine Apps die wirklich lange unterhalten. Aus diesem Grund darf man gespannt sein, was uns in den kommenden Wochen und Monaten noch erwartet.

– Gute Verarbeitung
– Guter Halt im Gesicht
– Fairer Preis
– Noch fehlen Apps, die länger unterhalten

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