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Test: Ghost Recon Wildlands

Es ist Zeit für einen neuen Teil der Ghost-Recon-Serie. Im zehnten Teil, der den Untertitel Wildlands trägt, ändern sich allerdings einige grundlegende Dinge. Die wohl offensichtlichste Änderung ist die Einführung einer komplett offenen riesigen Spielwelt. Erstmals seid ihr als Elitesoldat nicht mehr in einzelnen Levels unterwegs, sondern könnt euch in der Open World frei bewegen. Ubisoft verspricht die größte Spielwelt, die es je in einem Spiel des Publishers gab. Hat man sich hier übernommen oder macht das Schleichen und Schießen genauso viel Spaß wie in den Vorgängern?

Zu viert gegen das Kartell

In Tom Clancy’s: Ghost Recon Wildlands, so der volle Titel des Spiels, verschlägt es euch nach Bolivien. Als Teil der Ghosts, einer Spezialeinheit, werdet ihr in das Land entsandt, um gegen das Santa Blanca-Drogenkartell vorzugehen. Dieses hält das gesamte Land in Atem, terrorisiert Bewohner, die sich nicht an die Regeln halten und exportiert Drogen in die ganze Welt. Als Kopf der Bande gilt El Sueño, ein über den ganzen Körper tätowierter glatzköpfiger Muskelprotz, mit dem man augenscheinlich besser keine Verhandlungen führen möchte. Euer Auftrag ist es, das Kartell auszulöschen und El Sueño zu eliminieren. Ganz so einfach wird das aber nicht, denn um an den Kopf heranzukommen, müsst ihr zunächst eine große Zahl seiner Gefolgschaft ausschalten.

Um euer Ziel zu erreichen, habt ihr viele Möglichkeiten und keinen festen vorgeschriebenen Weg. Zunächst zur Spielwelt von Ghost Recon Wildlands: Sie gliedert sich in über 20 Regionen. Eine Region schaltet ihr frei, indem ihr eure Fußstapfen in das jeweilige Territorium setzt. Das könnt ihr auch zu Beginn bereits überall tun. Das Spiel sperrt euch nicht in Regionen ein, sondern ihr könnt die gesamte Welt frei bereisen und so gut wie alle Missionen sofort spielen. In jeder Region gibt es andere Aufträge verschiedener Schwierigkeitsgrade und natürlich bietet es sich an, zunächst die leichteren Regionen zu meistern. Im Grunde könnt ihr aber loslegen, wie und wo ihr wollt.

Die Welt ist tatsächlich riesig und demnach gibt es auch schier unendliche Aufträge und kleinere Missionen zu erledigen. Die Karte ist mehr als doppelt so groß wie die Welt aus GTA 5 und auch andere Open-World-Spiele aus dem eigenen Hause von Ubisoft, wie Watch Dogs, stellt das Spiel in den Schatten. Natürlich besteht Bolivien zum Großteil aus Wäldern und Bergen. Abseits davon gibt es aber auch eine Schneeregion oder die berühmten Salzseen des südamerikanischen Landes. Trotz der Größe der Karte gibt es daher auch von den Umgebungen her genug Abwechslung.

So viel zu tun!

Um eine Region zu meistern, müsst ihr am Ende meistens einen Boss des Kartells ausschalten, um näher an El Sueño heranzukommen. Diese einzelnen Bosse müsst ihr aber natürlich erst finden. Dazu müsst ihr zunächst auf der Karte Informationsmaterial sammeln, um Story-Missionen zu erhalten. Diese Story-Missionen führen euch dann zum jeweiligen „Endgegner“ der Region. Abseits davon gibt es aber noch viel mehr zu tun. Die Karten sind gespickt mit Icons, sodass ihr meist nie von einem Punkt zum nächsten fahren könnt, ohne über eine Nebenmission zu stolpern. Diese solltet ihr aber auch nicht links liegen lassen, denn hier erhaltet ihr meist wichtige Informationen zum Standort neuer Aufträge oder Rohstoffe, die ihr sammelt und Rebellen zur Verfügung stellt.

Durch das Sammeln von Rohstoffen könnt ihr euren Charakter aufrüsten. Hier bekommt ihr mit den nötigen Punkten zum Freischalten mehr Ausdauer, eine ruhigere Hand beim Zielen oder bohrt eure Drohne oder eure Kameraden auf. Mit der Drohne könnt ihr aus sicherer Entfernung ein Ziel auskundschaften. Schickt die Drohne vor und markiert Feinde sowie hilfreiche Gegenstände. Dann habt ihr es beim darauffolgenden Angriff auf ein Lager oder eine Basis viel einfacher, da die Position der Feinde auf eurer Minimap sichtbar ist. Meist könnt ihr euch aussuchen, ob ihr leise vorgeht oder das Lager auffällig laut stürmt. Die leise Methode ist natürlich die bevorzugte für einen „Ghost“. Im normalen Schwierigkeitsgrad ist dies auch oft keine große Herausforderung, denn die Gegner bemerken es oft nicht, wenn ein Kamerad neben ihnen getroffen wird und zu Boden sinkt. Die Schleich-Mechanik wird allerdings etwas getrübt, da es beispielsweise nicht möglich ist, einen erledigten Gegner zu tragen und an einen anderen Ort zu legen. Dies schränkt auch taktische Möglichkeiten ein.

Die wichtigste Frage ist natürlich, ob es sich lohnt ein Spiel der Ghost-Recon-Serie allein zu spielen. Auch bei Wildlands steht das kooperative Spiel mit Freunden an höchster Stelle. Dies sieht man schon dadurch, dass man im Gameplay oft darauf hingewiesen wird, eine kooperative Session zu starten. Dies ist übrigens auch dauernd im Spiel fast ohne Wartezeit möglich. Ihr könnt also sofort Freunde mit an Bord holen oder auch wieder mit wenigen Sekunden Wartezeit allein losziehen. Spielt ihr allein, stehen euch drei KI-Soldaten zur Seite. Diesen könnt ihr grobe Befehle erteilen. Besonders mächtig ist die Funktion des Simultanschusses. Hier markiert ihr für eure Mitstreiter Ziele und auf euer Kommando werden die Ziele erledigt. Im kooperativen Spiel mit echten Mitspielern, steht das nicht zur Verfügung. Hier müsst ihr euch absprechen und auf die Zielgenauigkeit der menschlichen Kollegen vertrauen. Dadurch ist das Spiel kooperativ sogar etwas schwieriger, da die computergesteuerten Soldaten durchaus gut zielen und euch auch schnell wiederbeleben. Somit kann man Ghost Recon Wildlands durchaus auch allein genießen. Mit echten Mitspielern kommt meistens zwar mehr Spaß auf, auch allein hat man aber dank der Größe der Map und der unzähligen Aufgaben immer etwas zu tun.

Der Alltag des Elitesoldaten

Wie steht es nun aber mit der Abwechslung? Die meisten Aufträge ähneln sich nach einigen Spielstunden tatsächlich. Immer müsst ihr ein Lager feindlicher Truppen auslöschen, irgendetwas in die Luft sprengen oder Gegenstände sammeln. Das wird auf die Dauer tatsächlich etwas träge; Abwechslung entsteht aber durch die riesige Karte, die zum Erforschen einlädt und immer wieder interessante Ecken bietet. Frustrierend ist hingegen die Fahrzeugsteuerung. Autos und Motorräder steuern sich wie als würden sie auf Pudding fahren. Die Steuerung ist so schwammig, dass man auch gerne mal aus Versehen einen Zivilist am Straßenrand überfährt, da man die Fahrzeuge gerade bei Kurven nur schwer unter Kontrolle behält. Es ist nicht klar, ob man die Steuerung hier realistisch oder arcadig nennen soll. Wahrscheinlich ist es eine missglückte Mischung aus beidem. Hier könnte man durchaus bei zukünftigen Updates noch nachbessern.

Abseits der Steuerung der Fahrzeuge gibt es bei der Technik kaum etwas zu bemängeln. Die Weitsicht auf der riesigen Karte ist großartig. Einige kleine Bugs trüben aber den Gesamteindruck. Wenn beispielsweise ein KI-Kamerad an einer Ecke hängen bleibt oder man selbst zwischen Steinen im Gebirge eingeklemmt ist und weder vor noch zurück kommt, stört das schon ein wenig. An manchen Ecken muss Ubisoft noch feilen, keine dieser Kleinigkeiten verdirbt aber wirklich den Spielspaß.


8.0/10
Tom Clancy’s: Ghost Recon Wildlands ist vor allem durch die Größe der Spielwelt und die schier unendliche Zahl an Missionen und Aufträgen ein ambitioniertes Projekt, das viele Spielstunden unterhalten kann. Vor allem motiviert, dass es an jeder Ecke etwas zu tun gibt. Kleine Technikprobleme und die kuriose Fahrzeugsteuerung sollten in kommenden Updates behoben werden. Abseits davon kann Ghost Recon Wildlands aber gut unterhalten; besonders kooperativ mit Freunden aber auch allein gibt es einige spaßige Stunden.

Getestet wurde die Xbox One-Version.

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