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Test: Prey

Steht das 2006 erschienene Prey etwa erneut in den Händlerregalen? Nein, das Anfang Mai erschienene Prey hat mit dem Spiel aus dem Jahr 2006 nicht viel zu tun. 11 Jahre später geht es zwar immer noch um eine Geschichte rund um Aliens, beim Gameplay soll sich aber einiges geändert haben. Entwickler Arkane Studios spricht von einer kompletten Neuausrichtung ohne Bezüge zum Original. Klingt interessant? Was können Spieler von Prey erwarten? Wir haben uns den Titel angeschaut.

15. März 2032

Zu Beginn des Spiels wacht ihr in eurem Apartment am 15. März 2032 auf. Ihr seid wohl auf dem Weg in den Orbit, ganz klar wird das in den ersten Spielminuten aber nicht. Was euch in der kommenden halbe Stunde dann erwartet, ist einer der spannendsten und überraschendsten Spieleinstiege der letzten Jahre. Wir wollen hier also gar nicht viel mehr erzählen. In der ersten halben Stunde von Prey werden ihr aber mindestens einen großen Wow-Effekt haben.

Was später passiert ist wiederum kein Geheimnis. Ihr seid auf der Raumstation Talos 1 unterwegs. Hier sind Forschungen mit Aliens aus dem Ruder gelaufen. Die Aliens sind nämlich ausgebrochen und haben nun die komplette Raumstation im Griff. Es scheint bis auf euch kaum Überlebende zu geben. Über Funk erhaltet ihr von verschiedenen Parteien Anweisungen, wie ihr die Aliens besiegen könnt. Je nachdem für welche Aufträge ihr euch entscheidet, unterscheidet sich dann auch das Spielende. Wie in einem RPG habt ihr in Prey spielerische Freiheit. Ihr müsst so gut wie nie eine Aufgabe nach der anderen erledigen. In eurer Missionsübersicht findet ihr stets auch viele Nebenmissionen, die ihr auf eurem Weg durch die Raumstation abarbeiten könnt.

Missionen erhaltet ihr aber nicht nur von euren Funkbekanntschaften, sondern auch beispielsweise durch das Lesen von E-Mails. Auf der ganzen Station findet ihr PCs, die ihr benutzen könnt. Hier gibt es manchmal sogar Programme, die dann bestimmte Aktionen in der Station steuern. Beispielsweise eine Tür öffnen. Oder eben E-Mails, die von verschwundenen Mitarbeitern übrig geblieben sind. Das Durchforsten der fremden Nachrichten bringt euch zudem oft zusätzliche Informationen wie Passwörter, die sich die Mitarbeiter selbst per E-Mail zugeschickt haben. Mit diesen könnt ihr wiederum auf andere Geräte zugreifen oder Tresore öffnen, die wiederum wichtige Gegenstände für das Überleben bereithalten.

Kein Shooter, kein RPG

Auf den ersten Blick mag man bei Prey einen Shooter vermuten. Klar, ihr seid auch in der Ego-Perspektive unterwegs und habt meistens eine Waffe in der Hand. Call of Duty und Battlefield unterscheiden sich aber immens vom Prey-Gameplay. Hier steht das Schießen nämlich nicht an erster Stelle. Vielmehr ist die Munition meistens sehr knapp. Ihr müsst Möglichkeiten finden, eure Aufgaben auch auf anderen Wegen zu lösen. Dabei habt ihr nur selten klassische Waffen, wie eine Pistole zur Auswahl. Vielmehr gibt es auch spezielle Waffen wie die GLOO-Kanone, die klebrige Bälle verschießt. Mit ihr könnt ihr zum einen Gegner einhüllen, damit sie sich nicht mehr bewegen können und ihr sie mit einer anderen Waffe leichter erledigen könnt. Zum anderen nutzt ihr die klebrigen Bälle aus der Waffe, um euch einen neuen Weg zu bauen. Zudem ist es auch möglich mit dieser Waffe Flammen zu löschen, um einen neuen Weg zu finden. Die Waffen in Prey haben also oft mehr als nur die Funktion Gegner zu erledigen und das Kombinieren der Funktionen macht eine Menge Spaß und ist zudem oft der einzig wahre Weg, eine Aufgabe zu erledigen.

Neue Waffen, Munition und weitere Gadgets erhaltet ihr wiederum an speziellen Automaten, den sogenannten Fabrikatoren. Hier werft ihr bestimmte Zutaten ein und erhaltet dann als Gegenleistung die bestellte Ware. Die Rohstoffe dafür sammelt ihr auf eurem Abenteuer ein. Plündert tote Feinde oder durchsucht fremde Schränke und Schubladen. Auch eine Zitronenschale kann auch nützlich sein! Im sogenannten Recycler werft ihr nämlich gesammelten Schrott ein und erhaltet im Gegenzug die Rohstoffe, die ihr für neue Gadgets und Munition benötigt.

Ab in den Weltraum

Highlight bei Prey ist sicher auch das Spiel im schwerelosen Raum. Teilweise verschlägt es euch auch aus der Raumstation ins Weltall. Hier bewegt ihr euch mit einer Antriebseinheit voran, die ihr wiederum erst durch die oben genannte Methode mit Rohstoffen herstellen müsst. Die Erfahrung im Weltraum ist durchaus eine andere. Ihr bewegt euch etwas schwerfälliger und könnt euch natürlich zudem frei im Raum bewegen, also schweben. So erreicht ihr versteckte Orte oder könnt wichtige Ressourcen einsammeln.

Aber aufgepasst, denn auch draußen in der Dunkelheit wimmelt es nur so von Aliens und außerirdischen Kreaturen, die es auf euch abgesehen haben. Prey ist nie besonders leicht zu spielen und ihr werdet das Spiel sicher auch das ein oder andere Mal von einem Speicherpunkt neu starten müssen. Gut, dass dauerhaft ein Schnellspeichern möglich ist und auch sonst die Checkpoints fair verteilt sind. Technisch setzt Prey keine neuen Maßstäbe, bietet aber eine solide Grafik. Vor allem überzeugt auch die Soundkulisse. Die Geräusche wenn ein Alien auftaucht, werden euch erschrecken lassen und auch die deutsche Synchronisation ist gelungen. Nur die Ladezeiten zum Spielstart könnten ein wenig kürzer sein.


8.5/10
Prey ist wohl der erste große Überraschungstitel 2017. Mit dem alten Prey aus 2006 hat das hier nicht mehr viel zu tun und das ist auch gut so! Das Gameplay wirkt wie eine Mischung aus Bioshock und Dishonored und ist dadurch angenehm erfrischend. Prey ist kein Shooter. Das Schießen steht nie im Vordergrund, vielmehr erreicht ihr eure Ziele durch kluges Taktieren. Eine gelungene Abwechslung zu den vielen Standard-Shootern, die auszuprobieren sich lohnt.

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Getestet wurde die Xbox One-Version.