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Test: Sniper Ghost Warrior 3

Sniper Ghost Warrior 3 hat keinen glanzvollen Start hingelegt. Kurz nach Release machten im Internet Informationen zu unglaublich langen Ladezeiten und krassen technischen Problemen die Runde. Ist die Kritik berechtigt? Wir haben uns das neue Scharfschützen-Abenteuer angesehen und verraten euch in diesem Test, ob sich ein Ausflug nach Georgien lohnt.

Auf der Suche nach dem Bruder

Keine große Überraschung: Sniper Ghost Warrior 3 ist ein Abenteuer rund um einen Scharfschützen. Ihr schlüpft in die Rolle von Jon North, einem Elitesoldaten, der in Georgien einige Aufträge erfüllen muss. Hier soll er den Vorstoß von Separatisten verhindern, doch eigentlich ist er auch auf der Suche nach seinem verschollenen Bruder. Leider fesselt die Story aber nicht wirklich an den Bildschirm. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst entwickelt sich die Handlung mit der Dauer ziemlich verwirrend. Immer neue Charaktere und verschiedene Fraktionen treten auf und es wird schwer, den Überblick zu behalten. Zudem sind die Wendungen in der Story vorhersehbar. Dazu kommt eine wirklich schlechte deutsche Synchronisation. Wer ein Beispiel für unglückliche deutsche Sprachausgabe sehen möchte, muss nur einige Minuten Gameplay von Sniper Ghost Warrior 3 verfolgen. So emotionslos und belanglos haben Charaktere selten geredet und das, wo es eigentlich doch um emotionale Themen geht.

Es gab aber schon viele Spiele in denen die Story eher Durchschnittsware war und die dafür mit einem guten Gameplay überzeugten. Wie schlägt sich Sniper Ghost Warrior 3 also abseits der Story? Gar nicht mal so schlecht. Die größte Veränderung ist die offene Spielwelt. Spielten die Missionen der vorherigen Serienteile immer in kleinen Arealen, könnt ihr euch nun in einer großen Karte frei bewegen. Das erlaubt euch bei den meisten Missionen auch mehr Freiraum, da ihr frei wählen könnt von welcher Seite ihr angreift. Ihr seid also weniger eingesperrt und das Spiel fühlt sich nicht so linear an.

Still und leise

Hauptsächlich nutzt ihr in Sniper Ghost Warrior 3 natürlich euer Scharfschützengewehr. Das bedeutet ihr versucht, die Missionen leise und unauffällig zu lösen. Oft dürft ihr beispielsweise auch keinen Alarm auslösen. Im Vergleich zu vielen anderen Sniper-Spielen haben die polnischen Entwickler von CI Games hier tatsächlich versucht, eine realistische Scharfschützenerfahrung auf den Bildschirm zu bringen. Hier heißt es nicht unbedingt nur das Zielfernrohr anlegen und abdrücken. Ihr müsst auch die Entfernung des Ziels beachten und eure Zieleinrichtung entsprechend anpassen. Zudem könnte euch der Wind in die Quere kommen, der die Flugbahn der Kugel beeinträchtigt. Wenn ihr also falsch zielt, verfehlt ihr euer Ziel und richtiges Zielen ist nicht immer die Mitte des Fadenkreuzes. Für Anfänger gibt es auf den einfachen Schwierigkeitsgraden aber natürlich auch Zielhilfen. Wenn ihr die Luft anhaltet, bekommt ihr hier beispielsweise über einen Zielpunkt angezeigt, wo die Kugel landen wird. So wird das Schießen wiederum zum Kinderspiel. Profis, die eine Herausforderung suchen, können diese Hilfen aber natürlich abschalten.

Die Scharfschützen-Erfahrung ist den Entwicklern tatsächlich geglückt. Das Gameplay ist fordernd aber nicht zu schwer. Abseits davon gibt es aber auch die Möglichkeit, zur Maschinenpistole oder Gewehren zu greifen und so die Basis der Gegner zu stürmen. In manchen Missionen bleibt euch auch nichts anderes übrig, als so vorzugehen. Die Gegner sind in Sniper Ghost Warrior 3 tatsächlich ziemlich aufmerksam und erkennen euch schon nach wenigen Sekunden. Es wird euch also schwer fallen, durch feindliche Linien zu schleichen. Als besonders Hilfemittel habt ihr hierfür aber auch eine Drohne. Mit ihr könnt ihr aus der Luft Gegner markieren und die Lage auskundschaften.

Neben der Drohne gibt es noch eine Menge weiterer kleiner Gadgets für euren Einsatz. Diese könnt ihr in eurer Basis im Waffenlager freischalten und durch Credits, die ihr durch Missionen sammelt, erwerben. Dazu gibt es auch ein neues Crafting-System. Sprich, durch gesammelte Rohstoffe könnt ihr neue Gegenstände und Upgrades herstellen. Diese Funktion wird aber nie wirklich ausgereizt und wirkt vielmehr unnötig aufgesetzt, da ihr sowieso meistens alles durch die Credits kauft. Das geht schneller. Einen Anreiz für das Crafting gibt es nicht wirklich.

Vollkommene Freiheit?

Wie schon erwähnt, gibt es durch die verschiedenen Herangehensweisen in den einzelnen Missionen mehr Abwechslung als in den früheren Teilen. Das ist ein Pluspunkt der offenen Spielwelt. Das war es dann aber auch schon. Ansonsten weiß die offene Spielwelt nicht wirklich zu überzeugen. So gibt es keine wirklich einprägsamen Gebiete. Alles sieht etwas trist, leblos und eintönig aus. Ab und zu begegnen euch Feinde oder auch Zivilisten, aber viel zu Entdecken gibt es nicht. Ab und an markiert ihr mal einen Schnellreisepunkt, entdeckt Rohstoffe fürs Crafting oder findet sogar eine kleine Nebenmission. Durch die insgesamt triste Spielwelt ist hier die Luft aber schnell raus.

Technisch fallen einige Bugs auf. So kam es im Test z.B. vor, dass wir einen Soldaten im Nahkampf erledigen wollten, allerdings startete die Animation nicht und der Gegner taumelte in der Luft. Ein andermal fehlte einfach der komplette Sound nachdem das Spiel einen Checkpoint neu geladen hatte. Auch fallen verwaschene Texturen und teilweise Probleme bei der Bildrate auf. Dennoch ist die Grafik ansehnlich. Negativ fällt noch die Ladezeit auf. Auf der Xbox One mussten wir meistens bis zu drei Minuten warten, bis das Spiel startete. Positiv fällt dagegen auf, dass die Ladezeiten, sobald das Spiel einmal läuft, ziemlich gering sind. Auch Schnellreisen an andere Orte wirken durch die lange Ladezeit zu Beginn dann sehr kurz.

Ein Multiplayer ist übrigens bisher noch nicht an Bord, ist aber angekündigt. Dieser soll folgen, sobald die Entwickler einige Probleme im Singleplayer noch behoben haben. Einige der Bugs und Technikprobleme sollten in den nächsten Wochen und Monaten also ohnehin durch Updates entfernt werden. Was bleibt ist ein nettes Scharfschützen-Abenteuer, das nirgends wirklich voll punkten kann aber auch nirgends wirklich vollkommen versagt. Klar, die Story ist nicht wirklich gut und die offene Spielwelt sowie andere Elemente wirken etwas aufgesetzt, dafür funktioniert das Scharfschützen-Gameplay aber gut.


6.0/10
Sniper Ghost Warrior 3 wollte viel Neues probieren. Beispielsweise eine offene Spielwelt, eine spannende Story und ein Crafting-System. Leider wirkt alles aber eher halbherzig umgesetzt und kein Element kann wirklich vollkommen überzeugen. Einige nette Stunden Scharfschützen-Action können Fans des Genres hier aber trotzdem erleben.

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Getestet wurde die Xbox One-Version.