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Test: Forza Motorsport 7

Forza Motorsport hat eine lange Historie hinter sich. Die Rennsimulation von Microsoft erschien vor über 10 Jahren im Jahr 2005 zum ersten Mal. Jetzt im Jahr 2017 werden wir schon mit dem siebten Teil der Serie beglückt. Erstmals erschien nun auch ein Teil der Simulationsreihe für den PC und wieder einmal stellt sich die Frage, ob Forza Motorsport 7 genau die großartige Simulationskost abliefert, die man schon in den vergangenen Teilen serviert bekam.

Forza Motorsport 7 ist nicht wirklich der erste Teil der Forza-Serie für den PC, denn Forza Horizon 3 erschien bereits letztes Jahr auch abseits der Konsole für den Heimcomputer. Allerdings wissen Fans der Serie, dass der Horizon-Ableger nicht mit den eigentlichen Spielen der Serie vergleichbar ist. Bei Forza Horizon steht der Spaß im Vordergrund. Hier heizt ihr mit Edelkarossen an Stränden in den Sonnenuntergang oder rast durch den australischen Dschungel. Gerade auch die letzte Erweiterung zu Forza Horizon 3 zeigt, dass hier kein großer Wert auf Realismus gelegt wird. Hier konntet ihr nämlich mit euren Autos auf riesigen Hot Wheels-Strecken fahren. Forza Motorsport 7 hingegen widmet sich wieder komplett dem Realismus. Die Hauptserie war stets ein Garant für eine realistische Simulationserfahrung. Das ist natürlich etwas trockener als der abgedrehte Horizon-Ansatz, kann aber genauso viel Spaß machen.

Bei den Spielmodi gibt es keine großen Überraschungen. Es gibt wieder die Karriere und den Multiplayer. Zudem könnt ihr natürlich auch immer mit euren Autos auf den Strecken ein schnelles Rennen absolvieren. Die Karriere ist in viele kleinen Pokale aufgeteilt. Jeder Pokal steht unter einem anderen Motto. Mal fahrt ihr mit amerikanischen, mal mit europäischen Autos. Besonders spaßig sind die abwechslungsreichen Spezialrennen. Hier fahrt ihr beispielsweise gegen alle Audis einer Klasse der vergangenen Jahre und müsst diese einholen oder in einer speziellen Zeit möglichst viele Autos überholen. Die Pokale an sich sind ansonsten sehr trocken präsentiert. Ihr sammelt zwar Rennanzüge und könnt damit euren Charakter zumindest grob anpassen, ansonsten kann man sich aber nur wenig mit seinem virtuellen Rennfahrer-Ich identifizieren. Auch der Soundtrack wirkt diesmal etwas langweilig. Vergleicht man das Spiel mit dem Soundtrack aus dem letzten Forza Horizon zieht er klar den Kürzeren, da hier abwechslungsreiche antreibende Musik mit unterhaltsamen virtuellen Radiomoderatoren geboten wurden. Klar, dass bei einer möglichst seriösen Rennsimulation hier die Musik etwas zurückhaltender sein muss aber dennoch gibt es keinen Track der wirklich im Ohr bleibt.

Großes Augenmerk wird in den einzelnen Rennen auch auf Lootboxen und sogenannte Mods gelegt. Man kann sich fragen, was solche Zufallskisten in einem Vollpreisspiel überhaupt zu suchen haben, allerdings hat man sich mittlerweile ja bereits daran gewöhnt, dass jedes großes Spiel heutzutage ein solches „Feature“ bietet. Die Kisten könnt ihr mit der virtuellen Währung (und womöglich bald auch gegen Echtgeld) kaufen und je nach Typ der Kiste erhaltet ihr aus ihr verschiedene Items. Das können beispielsweise Mod-Karten sein. Diese Karten setzt ihr vor einem Rennen ein. Auf jeder Karte habt ihr eine spezielle Aufgabe, beispielsweise müsst ihr Erster werden oder mehrere Gegner sauber überholen. Schafft ihr es, diese kleinen Aufgaben im Rennen zu erfüllen, erhaltet ihr dann eine Extraportion Erfahrungspunkte und Credits.

Apropos Erfahrungspunkte und Credits. Forza Motorsport 7 belohnt euch natürlich nach jedem Rennen. Zudem erhaltet ihr weitere Preise, wenn ihr einen Stufenaufstieg schafft. Die Entwickler wissen, wie man den Spieler motivieren kann und es gelingt ihnen auch. Auch wenn man kein echtes Geld in virtuelle Güter von Forza Motorsport 7 investiert, ist man gut unterhalten. Etwas kurios hingegen wirkt die Tatsache, dass zum Release des Spiels immer noch nicht alle Funktionen verfügbar waren. Diese sollen mit Updates nachgereicht werden. Unter anderem kann das Auktionshaus oder die „Forzathon“-Rubrik derzeit nicht aufgerufen werden. Warum sind diese Features nicht zum Release fertig geworden?

Das wichtigste an einem Rennspiel sind natürlich die Autos! Über 700 haben es in die Grundversion des Spiels geschafft. Forza Motorsport 7 bietet hier einen motivierenden Sammleransatz. Ihr müsst nämlich alle Autos sammeln bzw. kaufen. Es stehen euch also nicht alle Autos zu Beginn zur Verfügung. Vielmehr müsst ihr sie erst erspielen und mit der Ingame-Währung kaufen oder an anderer Stelle im Spiel gewinnen. Bei den Modellen sollte der durchschnittliche Autoliebhaber eigentlich nichts vermissen. Porsche, Ferrari, Volkswagen und viele weitere populäre Automarken haben ihre Boliden ins Spiel gebracht. Dabei sind nicht nur aktuelle Modelle sondern auch alte Klassiker. Wer hier die Muße hat sich auszutoben, wird lange Zeit beschäftigt sein. Jedes Auto lässt sich nämlich individuell tunen, mit Designs anpassen und im sogenannten ForzaVista genau begutachten.

Wie steht es um die Fahrphysik und das Spielgefühl? Wieder einmal habt ihr die Möglichkeit auf viele Fahrhilfen zurückzugreifen. Profis können diese aber natürlich auch alle deaktivieren. Je nach Einstellung nimmt euch das Spiel dann also an die Hand und bremst beispielsweise automatisch für euch ab. Dank des Simulationsansatzes kann es ganz ohne Fahrhilfe nämlich schon herausfordernd sein, einen Rennwagen mit viel PS auf der Strecke zu halten. Verstärkt wird das gute Renngefühl nun auch damit, dass die Kamera je nach Position stärker umherwackelt. Etwas schade ist hingegen manchmal die KI der Mitfahrer. Hier kommen wieder sogenannte Drivatare zum Einsatz. Das Spiel lernt also, wie ihr euch auf der Strecke schlagt und sendet eure Fahrkünste an eure Freunde. Auf eurer Strecke sind dann wiederum eure Freunde unterwegs. Das macht das Spiel natürlich um einiges interessanter, da keine Fantasienamen umherfahren sondern Bekannte. Dennoch stellt sich die Frage, wie viel Einfluss das Fahrverhalten wirklich auf den Drivatar hat. Oft fahren einem die Gegner nämlich einfach in die Karosserie. Kollisionen sind an der Tagesordnung, obwohl das im echten Rennsport natürlich nicht unbedingt der Fall ist. Aber gut, da haben wir vom Onlinemultiplayer noch gar nicht gesprochen. Hier ist Rempeln und Rangeln natürlich wie immer an der Tagesordnung.

Technisch bietet Forza Motorsport 7 viel. Es gibt Tag- und Nachtrennen auf jeder Strecke sowie diverse Wettereffekte, die alle sehr realistisch aussehen. Gerade auch die Lichteffekte und Spiegelungen bringen einen großen Brocken Realismus ins Spiel. Auch die vielen Karosserien sind perfekt modelliert und man muss wohl mit der Lupe ansetzen, um bei der Technik des Spiels Fehler zu entdecken. Schade, dass diese gute Technik aber auch eine sehr lange Ladezeit fordert. Es vergeht schon weitaus mehr als nur eine Minute, wenn ihr auf das Laden einer neuen Strecke wartet. Hier könnt ihr dann zwar gleich Mod-Karten platzieren und einige Grundeinstellungen anpassen, dennoch sind die Ladezeiten nervig.


8.5/10
Über 700 Autos, mehr als 30 Strecken und eine moderne Technik. Forza Motorsport 7 spielt ohne Frage wieder in der Königsklasse der Rennsimulationen. Schade, dass die Lootboxen und Mods in der Karriere einen zu großen Stellenwert einnehmen. Hier hätte man vielleicht dafür noch etwas mehr Arbeit in die Gesamtpräsentation legen können. Als Gesamtpaket erhaltet ihr hier aber ohne Frage eine der besten Rennsimulationen, die es derzeit auf dem Markt gibt.

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Getestet wurde die Xbox One-Version.

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