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Test: Assassin’s Creed Origins

Letztes Jahr brauchte Assassin’s Creed eine Pause. Ubisoft entschied sich, die Serie für kurze Zeit auf Eis zu legen, um ihr wieder frischen Wind einzuhauchen. Jetzt ist die Serie mit Assassin’s Creed Origins zurück und diesmal verschlägt es euch ins alte Ägypten. Schafft es Assassin’s Creed, wieder so zu überzeugen wie früher?

Nun also Ägypten! Nachdem es den Spieler im letzten Teil nach London und Paris verschlug, erlebt man nun die Anfänge des Assassinen-Kults bei den Pyramiden. Protagonist ist diesmal Bayek. Nach einem tragischen Ereignis möchte er Rache nehmen und streift so durch die offene Welt von Assassin’s Creed Origins. Von der Geschichte möchten wir nicht viel vorwegnehmen. Allerdings setzt sie auch diesmal keine neuen Maßstäbe für ein Assassin’s Creed. Wieder einmal ist es ein rachegetriebener Protagonist, der alle großen Köpfe der Feindorganisation ausschalten möchte. Dennoch nimmt sich Ubisoft viel Zeit für die Geschichte; dadurch gelingt die Charakterentwicklung gut. Wenn es rund zwei Stunden dauert, bis man überhaupt erst das Logo des Spiels zu sehen bekommt, ist das ein gutes Zeichen. So lange benötigt ihr nämlich alleine für den Prolog des Spiels.

Wo stecken die großen Neuerungen von Assassin’s Creed Origins und machen sie Sinn? Schon zu Beginn wird euch das neue Kampfsystem auffallen. Es ist nicht mehr so leicht wie in vergangenen Teilen, eine große Anzahl von Gegnern zu erledigen. Damals hat es oft gereicht, im richtigen Moment die Taste zum Angriff zu drücken und schon metzelte sich die Spielfigur durch Horden von Gegnern. Jetzt müsst ihr schon behutsamer vorgehen. Mit einer Taste wehrt ihr mit eurem Schild Angriffe ab oder springt aus der gegnerischen Schusslinie. Dann müsst ihr auch noch eure Angriffe richtig timen. Gerade bei mehreren Gegnern kommt ihr hier durchaus ins Schwitzen. Je nach eingestelltem Schwierigkeitsgrad (den ihr aber stets im Menü wechseln könnt), kann es passieren, dass ihr eine Mission von vorne starten müsst.

Das Kampfsystem fühlt sich zudem durch die neuen RPG-Elemente im Spiel knackiger an. Auffälliger als sonst sammelt ihr Erfahrungspunkte und levelt Bayek auf. Jeder Gegner hat zudem ebenfalls eine Level-Stufe. Wenn ihr auf Level 10 einen Gegner mit Level 15 angreift, solltet ihr euch sehr in Acht nehmen. Gerade auch die Attentat-Angriffe, die in vergangenen Spielen jeden Gegner sofort ausschalteten, sind nun nicht immer erfolgreich. Jede Mission hat eine empfohlene Level-Stufe. Ihr könnt probieren, eine Mission für Level 15 mit Level 10 zu spielen; allerdings wird es euch dann nicht leicht fallen. Daher müsst ihr wie in einem RPG stets an das Aufleveln denken. Möglichkeiten dazu gibt es genug. Ihr könnt eine Menge Nebenmissionen erledigen, Gegenstände sammeln oder andere Aktivitäten durchführen.

Die Karte von Assassin’s Creed Origins ist wie es sich für ein Ubisoft-Spiel gehört ,wieder vollgestopft mit Aktivitäten. Auffällig ist, dass diesmal auf eine Minimap, also eine kleine Karte, verzichtet wird. Dafür habt ihr am oberen Spielfeldrand eine Art Kompass, der euch nahe Aktivitäten und Missionsziele anzeigt. Eure Quests könnt ihr zudem auch in beliebiger Reihenfolge vollenden. Im Menü habt ihr eine Übersicht über alle Aufträge und ihr entscheidet, was ihr als nächstes macht. Auch das unterstreicht, dass Assassin’s Creed Origins etwas mehr zu einem RPG geworden ist.

Auch der Sammelaspekt ist in Assassin’s Creed Origins so groß wie noch nie. In den vergangenen Serienteilen hattet ihr stets eine kleine Auswahl an Waffen und Gegenständen, die ihr bei Händlern tauschen oder aufrüsten konntet. Jetzt werdet ihr schon nach wenigen Spielstunden Probleme haben, einen Überblick über euer Inventar zu behalten. In Truhen, bei erledigten Feinden oder anderen Gelegenheiten gibt es Beute. Das können mal mehr oder weniger seltene Gegenstände sein, oder sogar neue Waffen. Diese Waffen haben ebenfalls einen speziellen Level und können gewöhnlich oder selten sein. Ihr werdet schnell in Sammelwut verfallen, denn es macht Spaß, die immer neuen Waffen zu entdecken. Bei Händlern könnt ihr unbenutzte Gegenstände natürlich auch wieder zu Geld machen. Von der Waffenvielfalt gleicht Assassin’s Creed Origins nicht unbedingt einem Borderlands. Allerdings ist es schon schwierig, die Vielfalt der verschiedenen Waffen mit immer neuen Status-Werten zu überblicken. Dazu gibt es von verschiedenen Bögen zu Äxten, Speeren, Schwertern und Dolchen nichts, was ein Assassinen-Herz vermisst.

So viel zu den neuen, wichtigsten Elementen von Assassin’s Creed Origins. Aber wie steht es sonst um die Abwechslung? Klar, viele Missionen sind ähnlich oder wiederholen sich. Mal müsst ihr eben jemanden retten, ein andermal einen Gegenstand beschaffen. Stets werdet ihr auf irgendwelche Feinde treffen, die es zu erledigen gilt. Dennoch überzeugt der Titel durch die immer neuen Geschichten, die euch die Charaktere im Spiel erzählen. Mal eskortiert ihr die Tochter eines reichen Geschäftsmanns und ein andermal stehlt ihr eine Pferdekutsche mit Lebensmitteln zurück. Aufträge gibt es in Assassin’s Creed Origins zuhauf und da ist klar, dass sich das ein oder andere Missionsdesign wiederholt. Langweilig wird euch aber durch die große Anzahl an Aufgaben sicher nicht, denn ihr könnt dank des gewohnt geschmeidigen Klettersystems auch wieder viele Aussichtspunkte erklimmen oder andere Gegenstände sammeln und feindliche Lager übernehmen; das alles in der riesigen Spielwelt, die mit großen Städten wie Alexandria aufwartet.

Technisch handelt es sich hier ohne Frage um das bisher aufwändigste Assassin’s Creed aller Zeiten. Es ist beeindruckend, wenn ihr in weiter Entfernung kleine Pyramiden seht und genau wisst, ihr könnt dort bis auf ihre Spitze klettern. Die Weitsicht ist besonders gelungen und auch sonst überzeugen die Städte und Landstriche mit vielen kleinen Details und einem dynamischen Tag- und Nachtwechsel. Kleinere Patzer gibt es bei Animationen oder auch Unstimmigkeiten bei der Synchronisation. Bei einem Spiel solchen Kalibers ist dies aber ohne Frage verschmerzbar.


8.5/10
Assassin’s Creed Origins versucht neue Maßstäbe zu setzen und in vielen Punkten gelingt es dem Serienteil auch. Die offene Spielwelt ist riesig und abwechslungsreich. Es gibt an allen Ecken und Enden etwas zu tun und die verstärkten Rollenspiel-Elemente mit unzähligen Waffen und Sammelgegenständen hauchen der Serie tatsächlich neues Leben ein, das sie nach unzähligen repetitiven Titeln in der Vergangenheit gebraucht hat.

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Getestet wurde die Xbox One-Version.

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