Gametests Testbereich

Test: Far Cry 5

In den letzten Jahren haben Open-World-Spiele des Publishers Ubisoft immer eine gewisse Routine geboten. Ihr seid auf Türme geklettert und habt dort neue Aktivitäten in der Umgebung freigeschaltet. Auf der Karte wurden euch dann schier unzählige Aktivitäten eingeblendet, die es zu erledigen galt. Spätestens seit Assassin’s Creed Origins hat Ubisoft diese Formel aber etwas angepasst. Auch der neueste Teil der Far-Cry-Serie soll neue Ansätze der ansonsten bekannten Formel bieten.

Schon in den letzten Spielen der Serie war es eure Aufgabe, einen Bösewicht zu besiegen. In Far Cry 4 seid ihr gegen den gewalttätigen Herrscher Pagan im Staat Kyrat vorgegangen und im dritten Teil gegen den verrückten Vaas auf der tropischen Insel Rook Island. Im nun neuesten Teil verschlägt es euch ins ländliche Amerika. Genauer gesagt nach Hope County im Bundesstaat Montana. Hier hat sich eine Sekte den Landstrich unter die Nägel gerissen und tyrannisiert die dort lebenden Bürger. Die Sekte „Eden’s Gate“ wird von Joseph Seed geführt. Zu Beginn des Spiels seid ihr als Sheriff unterwegs, um Seed festzunehmen. Doch natürlich verläuft diese Festnahme nicht nach Plan und ihr seid kurze Zeit später auf der Flucht vor Joseph und seinen Anhängern. Ihr streift jetzt auf eigene Faust durch Hope County und versucht einzelne Dörfer und Orte zurückzuerobern, damit die noch kleinen Widerstandsgruppen wachsen und die Sekte vertrieben wird.

Joseph Seed ist dabei nicht alleine. Seine drei Geschwister leiten jeweils eine eigene Region. Die Karte von Far Cry 5 ist auf drei Gebiete aufgeteilt, die jeweils ihren eigenen Anführer haben. Eure Mission ist es lediglich diese drei Anführer zur Strecke zu bringen, um dann zu Joseph Seed vorzudringen. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn in Hope County wimmelt es nur so von fanatischen Sektenanhängern. Ab und zu stoßt ihr allerdings auf Widerstandskämpfer, die euch Wege zu Missionen zeigen oder andere hilfreiche Tipps geben. Das sind die neuen Ansätze in Far Cry 5. Ihr klettert nicht mehr auf Türme und schaltet damit Teile der Karte frei, sondern unterhaltet euch mit Bürgern in den Dörfern und erhaltet so eure Informationen. Zudem gibt es Schilder an den Straßen auf denen ihr erkennen könnt, welche wilden Tiere in dieser Region leben, wenn ihr auf die Jagd gehen wollt. So sammelt ihr diesmal also eure Informationen, die dann auf der Karte im Spiel verewigt werden.

Sonst ist Far Cry immer noch ein waschechter Shooter. Auch die grundlegenden Aufgaben haben sich nicht geändert. Noch immer müsst ihr meistens sogenannte Außenposten befreien. Das bedeutet ihr müsst alle Gegner in einem bestimmten Ort eliminieren. Für Far-Cry-Kenner wird es keine Neuigkeit sein, dass dies sowohl laut und brachial als auch leise und zurückhaltend geschehen kann. Die Stealth-Variante bringt euch sogar extra Vorteile. Wenn ihr nur in das Lager stürmt, werden die Feinde nämlich schnell Alarm auslösen und somit habt ihr noch ein größeres Stück Arbeit vor euch. Leider oder glücklicherweise sind die Gegner aber nicht besonders klug. Oft wundert man sich, dass man nicht entdeckt wird, wenn man über die feindlichen Anlagen schleicht. Far Cry 5 macht es dem Spieler hier manchmal sehr leicht; aber es soll ja auch kein reines Stealth-Action-Spiel sein.

Als weitere Aufgaben müsst ihr beispielsweise Anlagen der Sekte zerstören oder ihr spielt eine der unzähligen Story-Missionen oder Nebenaufträge. Auch hier geht es meistens natürlich ums Ballern, denn Far Cry ist ein Shooter. Schade, dass das Schussgefühl dafür in Far Cry 5 nicht so gut ist wie in anderen Spielen aus dem Hause Ubisoft. In Ghost Recon Wildlands oder Rainbow Six Siege ist das Schussverhalten um einiges befriedigender, da man ein sehr viel besseres Treffer-Feedback erhält. Das fehlt in Far Cry 5 vollkommen. Kurios, da Far Cry 5 ja ein reiner Shooter ist und daher ein gutes Treffer-Feedback hohen Stellenwert haben sollte.

Dafür bekommt der Shooter-Freund sonst viel geboten. Es gibt eine große Anzahl an Waffen, die man mit Aufsätzen modifizieren kann. Über Bonuspunkte schaltet ihr neue Fähigkeiten frei. Da gibt es grundlegende Dinge, wie die Möglichkeit mehr Waffen mit sich zu tragen. Oder ihr gönnt euch einen Fallschirm oder sogar einen Wingsuit, mit dem ihr ab sofort durch die hügelige Landschaft von Hope County fliegt. Abseits der Missionen gibt es viel zu tun. Man könnte sogar annehmen, dass es Ubisoft hier teilweise sogar etwas übertrieben hat. Wenn ihr auf Straßen unterwegs seid, um zur nächsten Mission zu gelangen, werdet ihr immer Feinden begegnen. Es vergeht eigentlich kaum eine Minute ohne, dass ihr angegriffen werdet oder sonst ein Ereignis auf der Karte auftaucht. Wenn schon keine Sektenfanatiker auf euch schießen, kommt zumindest ein wilder Bär oder eine Raubkatze aus dem Wald geschlichen und greift euch an oder auf der Straße taucht schon wieder ein Truck auf, den ihr überfallen könnt. Man hat das Gefühl, dass Ubisoft versucht hat die Spielwelt so belebt erscheinen zu lassen. Manchmal sind die dauernden Überfälle und Angriffe aber auch nur nervig. Denn so habt ihr keine Zeit die eigentliche schöne Landschaft zu begutachten. Die gesamte Karte ist den Entwicklern sehr gut gelungen. Es gibt zwar keine abwechslungsreichen Terrains und auch keine Wettereffekte aber dennoch könnte man sich an so gut wie jedem Ort von Far Cry 5 vorstellen, Urlaub zu machen. Wenn da nur nicht die verrückte Sekte wäre.

Auch die Musikuntermalung ist mit einem exklusiven Soundtrack sehr gut gelungen. Typisch für Ubisoft-Spiele machen auch die deutschen Sprecher einen guten Job. Zu guter Letzt ist auch noch ein großer Pluspunkt, dass man die gesamte Kampagne kooperativ spielen kann. Jederzeit kann ein Freund in euer Spiel einsteigen oder es verlassen, ohne dass es zu langen Ladezeiten kommt. Schade ist jedoch, dass der jeweilige Fortschritt nur bei einem Spieler gespeichert wird. Für den Mitspieler gibt es somit nicht wirklich einen großen Anreiz kooperativ zu spielen.

Dann ist da ja auch noch die Mehrspieler-Komponente. Diese hört auf den Namen „Far Cry Arcade“ und will vor allem durch einen gigantischen Map-Editor überzeugen. So gut wie alle Karten des Multiplayers sind nämlich von Spielern der Community erstellt worden. Das ist Fluch und Segen zugleich. Gerade bei kompetitiven Spielmodi wie Team-Deathmatch sind manche Karten viel zu unausgeglichen. Entweder sind sie für die Anzahl der Spieler viel zu groß oder die Spawn-Punkte sind sehr schlecht gewählt. Manchmal trifft man aber auch auf richtige Juwelen wo sich Spieler viel Mühe gegeben haben und die Matches auch wirklich Spaß machen. „Far Cry Arcade“ ist ein Auf und Ab der Gefühle. Die nächsten Karten werden nämlich immer per Zufall ausgewählt und somit ist es vollkommen normal, dass ihr auch auf dubiose langweilige Maps trefft. Es gibt aber nicht nur Deathmatch-Spiele mit anderen Nutzern sondern auch Solo-Missionen, die von anderen Communitymitgliedern erstellt wurden. Schade, dass die Steuerung aber gerade im Multiplayer ein wenig schwammig wirkt und ab und an nervige Bugs auffallen. Dafür sind der Kreativität aber wirklich fast keine Grenzen gesetzt, denn Ubisoft gibt den kreativen Spielern Assets aus vielen älteren Spielen der Far-Cry- Watch-Dogs und Assassins-Creed-Serie mit, um Karten zu bauen. Wenn mit kommenden Updates an „Far Cry Arcade“ noch gefeilt wird, könnt ihr hier noch einige spaßige Stunden verbringen. Ein toller Zusatz zur umfangreichen Kampagne.


8.0/10
Far Cry 5 ist ein gelungener Teil der Serie. Ubisoft hat einige neue Ansätze ins Spiel gebracht, ändert aber an den grundlegenden Elementen nur wenig. Das wird vor allem Fans der Serie freuen, die hier wieder eine Menge zu tun haben. Auch wenn die Gegner-KI manchmal etwas zu wünschen übrig lässt und das Treffer-Feedback etwas enttäuschend ist, kann Far Cry 5 als Gesamtpaket überzeugen.

Far Cry 5 bei Amazon

Getestet wurde die Xbox One X-Version.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.