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Test: Assassin’s Creed Odyssey

Wenn eine bekannte Videospielserie neue Ansätze versucht, ist das nicht immer eine gute Idee. Bei Assassin’s Creed war es letztes Jahr allerdings ein Glücksgriff. Auch in unserem Test schnitt Assassin’s Creed Origins mit frischen Ansätzen nach einer einjährigen Zwangspause gut ab. Warum also eine Pause einlegen? Mit Assassin’s Creed Odyssey ist rund ein Jahr später der nächste Teil erschienen, der die neuen Gameplay-Mechaniken aus dem letztjährigen Teil noch weiter verbessern möchte. Ist das in nur einem Jahr gelungen?

Nach dem letztjährigen Ausflug nach Ägypten geht es nun ins antike Griechenland. Typisch für die Serie gibt es auch wieder einen Plot im aktuellen Jahrhundert. Forscher von Abstergo Industries können mithilfe der Animus-Maschine in die Rolle vergangener Vorfahren schlüpfen und ihre Abenteuer nacherleben. Diesmal findet die Forscherin Layla Hassan einen alten Speer des Königs Leonidas und extrahiert daraus DNA, wodurch sie sich mittels des Wundergeräts in die Vergangenheit versetzen lassen kann. Wie auch schon in Assassin’s Creed Origins nimmt die Story der Neuzeit aber keinen großen Stellenwert ein. Die meiste Zeit werdet ihr im antiken Griechenland unterwegs sein. Die heute unter dem Namen Peloponnesischer Krieg bekannte Auseinandersetzung zwischen Athen und Sparta steht im Spiel unmittelbar vor der Tür. Mittels der DNA-Spuren des Speers könnt ihr nun zwischen zwei Geschwistern als Spielcharakter wählen. Ihr müsst euch entscheiden, ob ihr lieber Alexios oder seine Schwester Kassandra spielen möchtet. Auswirkungen auf das Spiel hat dies aber nicht. Die beiden Geschwister unterscheiden sich im Spiel nur durch ihr Geschlecht. Als Söldner erledigt ihr nun eine Menge Aufträge in ganz Griechenland und erforscht eure Vergangenheit. Euch verschlägt es dadurch auf eine Vielzahl bekannter griechischer Inseln und zudem treten auch bekannte Philosophen wie Sokrates in der Geschichte auf. Für Fans griechischer Mythologie ein großer Spaß.

Schon zu Beginn müsst ihr euch entscheiden, ob ihr den neuen Entdeckermodus nutzen möchtet. Hier werden euch Missionsziele nicht mehr auf dem Prä­sen­tier­tel­ler serviert. Schon im Vorgänger wurde auf eine Minimap verzichtet und dafür nur ein Kompass mit wichtigen Symbolen eingeblendet. In Assassin’s Creed Odyssey gehen die Entwickler mit dem Entdeckermodus nun noch einen Schritt weiter. Hier bekommt ihr bei vielen Missionszielen nicht mehr angezeigt, wo sich das eigentliche Ziel befindet. Ihr müsst bei Dialogen genau zuhören, um zu verstehen, wo sich das Banditenlager oder die Zielperson befindet, die ihr gerade sucht. Ihr bekommt also nur Hinweise, dass sich das gesuchte Haus östlich der großen Statue befindet und müsst dann suchen. Wer darauf keine Lust hat, kann den Modus auch abstellen, jedoch fördert diese Art des Spielens euren Entdeckertrieb noch mehr und es ist auch nie wirklich nervig, da die Hinweise doch recht präzise sind und ihr nur selten lange Zeit planlos umherirrt.

Bei Spielen aus dem Hause Ubisoft wird oft von einer Art „Ubisoft-Formel“ gesprochen, aus der sich die meisten Spiele des Publishers zusammensetzen. Egal ob Far Cry, Assassin’s Creed, Watch Dogs oder Ghost Recon. Stets seid ihr in einer offenen Welt unterwegs, infiltriert feindliche Lager und nehmt diese entweder still und heimlich oder brachial laut in einem Überfall auseinander. Natürlich ist es nicht ganz so einfach. Die Spiele unterscheiden sich durchaus. Jedoch lassen sich einzelne Gameplay-Elemente immer wieder in den Titeln finden, was jedoch auch nicht bedeutet, dass das Spielgeschehen dadurch langweilig oder eintönig wird. Dadurch unterscheiden sich die einzelnen Settings der Serien zu sehr. Nehmen wir beispielsweise den tierischen Gehilfen, den Alexios oder Kassandra an ihrer Seite haben. In Watch Dogs und Ghost Recon habt ihr eine Drohne, um Feinde zu markieren und Lager auszukundschaften. In Assassin’s Creed Odyssey ist es eben ein Adler. Diesen kennt man auch schon aus dem Vorgänger. Mit ihm könnt ihr über die Karte schweben und wichtige Punkte markieren. Dem Adlerauge entgeht nichts und wer im oben angesprochenen Entdeckermodus nicht sofort die richtigen Punkte findet, kann mittels des Vogels schnell fündig werden, da wichtige Punkte recht auffällig mit einem Pfeil markiert werden und ihr nur den Joystick in die richtige Richtung bewegen müsst.

Im Großen und Ganzen werden sich Fans des letztjährigen Ablegers schnell auch in Griechenland zurechtfinden. Bis auf einige kleine Detailänderungen – ihr habt beispielsweise kein Schild mehr – könnte Assassin’s Creed Odyssey auch einfach eine Erweiterung von Origins sein. Jedoch ist der Umfang wieder so immens, dass es sich natürlich nicht nur um ein Add-On handeln kann. Allein die große Spielwelt ist erneut beeindruckend. Schon im Vorgänger wurde ein unvergleichbares Gefühl der Freiheit vermittelt, wenn ihr in der Ferne Pyramiden seht und wisst, ihr könnt euch einfach ein Boot nehmen, hinüberfahren und auf die Pyramide klettern. Auch in Griechenland wird euch wieder ein solches Gefühl vermittelt. Gerade beim – serientypischen – Synchronisieren von Aussichtspunkten und den darauffolgenden Kamerafahrten werden euch unglaublich schöne Landschaftspanoramen präsentiert. Die Karte mit unzähligen Inseln und bekannten Städten lädt nur so zum Erkunden ein.

Schön, dass ihr auch zu Spielbeginn quasi jeden Fleck betreten könnt. Bei Assassin’s Creed Odyssey leveln eure Gegner mit. Das bedeutet, wenn ihr erst auf Level 5 seid, wird auch der wilde Wolf auf den ihr im Wald trefft auf diesem Level sein. Nur manche Story-Quests erfordern spezielle Level. Apropos Level. Schon der Vorgänger setzte auf eigentlich serienuntypische Rollenspiel-Elemente, die aber gut ins Spielgeschehen passten. Diese fehlen auch in Odyssey nicht. Wieder sammelt ihr Erfahrungspunkte und erledigt unzählige Quests. Mittels passender Beute wie Waffen oder Rüstungen könnt ihr Kassandra oder Alexios noch weiter anpassen und in den stundenlangen Dialogen trefft ihr Entscheidungen, die tatsächlich auch spürbare Auswirkungen auf den Storyverlauf haben.

Assassin’s Creed Odyssey ist damit mehr Rollenspiel als klassisches Stealth-Action-Spiel, wie noch die ersten Teile der Serie. Das ist nicht schlimm, denn das Gameplay macht Spaß, ist fordernd und umfangreich aber gerade Serienliebhaber können sich ab und zu fragen, was Kassandra oder Alexios noch mit einem Ezio aus Assassin’s Creed 2 zu tun haben. Klar, man kann Missionen auch immer noch im Verborgenen lösen und Wachen oder Gegner leise zur Strecke bringen, jedoch ist ein Stealth-Angriff nicht immer tödlich. Gerade mit falscher Ausrüstung oder wenn ein Gegner doch einen höheren Level hat, werdet ihr ihn nicht leise zur Strecke bringen können und plötzlich schrillen die Alarmglocken im feindlichen Lager. Insgesamt ist Assassin’s Creed Odyssey eine gelungene Weiterentwicklung zum Reboot des letzten Jahres. Auch wenn es keine riesigen Änderungen gibt, ist es einfach noch viel mehr von dem, was man schon in Origins gern gespielt hat. Eine riesige Spielwelt mit unzähligen Aufgaben, spannende Nebenquests und eine grandiose Technik. Zu bemängeln ist nur, dass viele kleine Nebenquests zu ähnlich sind und das Spiel künstlich in die Länge ziehen. Dafür kommt ihr auf eine Spielzeit von weit über 70 Stunden. Viele kleine Aufgaben wirken aber wie zufällig generiert. Ihr seid oft einfach nur von A nach B unterwegs um einen Auftragsmord zu begehen oder etwas abzuliefern. Diese langweiligen repetitiven Passagen trüben den ansonsten positiven Eindruck der Hauptstory.


8.5/10
Wie auch letztes Jahr kann man sich die Frage stellen, was Assassin’s Creed Odyssey noch mit den ersten Teilen der ursprünglichen Serienteile zu tun hat. Assassin’s Creed hat sich schon letztes Jahr von einem Stealth-Abenteuer zu einem waschechten Rollenspiel a la Witcher-Serie entwickelt. Diese Mechaniken wurden im antiken Griechenland nochmals verfeinert. Die offene Welt ist riesig, die Quests abwechslungsreich und es gibt so viel zu tun, dass eure Spielzeit auch eine dreistellige Stundenzahl erreichen kann. Der diesjährige Spieleherbst voller Blockbuster-Titel fängt schon einmal sehr gut an!

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