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Test: Fallout 76

Vor gut fünf Monaten stand Todd Howard, Director der Bethesda Game Studios, auf der E3-Bühne und teilte der Welt die Vision von Fallout 76 mit. Vor gut vier Jahren hätte man eine Idee gehabt, die perfekt für das Fallout-Universum sei: Eine offene Welt, Überlebenskampf, jede Person und jeder Charakter im Spiel wird von einer echten Person gesteuert. Tatsächlich eine interessante Idee. Was ist daraus geworden? Wenige Monate später ist Fallout 76 erhältlich und schon in den ersten Tagen nach Release konnte man lediglich durchschnittliche oder negative Berichte zum Spiel lesen. Wir haben uns im apokalyptischen West Virginia der Zukunft umgeschaut und verraten euch hier unsere Meinung.

Die Geschichte von Fallout spielt in einer alternativen Zukunft, in der Amerika durch Atombomben zerstört wurde. Besondere Bürger hatten jedoch die Möglichkeit, in sogenannten Vaults, fortschrittlichen Bunkern unter der Erde, unterzukommen. Fallout 76 reiht sich in die gesamte Serie als Prequel ein. Es spielt im Jahre 2102 und damit nur 25 Jahre nach dem Einschlag der Bomben. Die Bewohner der Vault 76 werden am sogenannten Rückeroberungstag aus dem Bunker entlassen, um an der Erdoberfläche wieder eine neue Zivilisation aufzubauen. Ihr seid einer dieser Bewohner.

Die Story könnte eigentlich ziemlich spannend sein und eine tolle Vorgeschichte zu den vorangehenden grandiosen Rollenspielen erzählen. Leider fällt es aber schwer, der Story in Fallout 76 zu folgen. Das liegt am Fehlen klassischer Charaktere in der Welt. Es gibt keine computergesteuerten Menschen oder Figuren auf die ihr treffen könnt, die interessante Stories zu erzählen haben. Vielmehr wird ein Großteil der Story durch Audiologs erzählt oder ihr müsst euch durch altmodische Computerterminals hangeln und selbst Texte lesen. Schade, dass viele Missionen damit belanglos und langweilig sind, denn das Spiel bietet in Audiologs und wenigen Sequenzen eine gute deutsche Synchronisation. Es gibt zwar einzelne nette kleine Missionen aber insgesamt fehlt ein komplettes Story-Konzept, das an den Bildschirm fesselt. Aber gut! Fallout 76 ist ja ein Multiplayer-Spiel und deswegen könnte man ja über fehlende packende Story-Momente hinwegsehen, oder?

Leider wirkt der Titel aber auch auf der Multiplayer-Seite nicht ausgereift und nicht vollkommen durchdacht. Die Karte des Spiels ist beispielsweise riesig. Toll für ein Singleplayer-Spiel, wenn es mit einer spannenden und spaßigen Story gefüllt wäre. Schlecht für ein Multiplayer-Spiel, wenn man ab und zu auf andere Spieler treffen möchte. Nur 24 Spieler werden aktuell auf einen Server und damit auf die Karte gelassen. Es können also durchaus Stunden vergehen, ohne, dass ihr andere Spieler seht. Das Gefühl eines Massive (!) Multiplayer Online Role-Playing Game (MMORPG) kommt so natürlich nicht auf. Vielleicht wäre es spannend, wenn man dann wirklich überraschend auf andere Spieler trifft, da diese unsichtbar unterwegs sind. Aber auch dies ist nicht der Fall. Auf der Karte seht ihr dauernd die Positionen aller anderen Spieler. Dazu kommt auch, dass das PVP-System (Player vs. Player) nicht ganz ausgereift ist. Kämpfe gegen andere Spieler sind standardmäßig deaktiviert. Toll, wenn ihr nicht gestört werden wollt und einfach nur eine Mission erledigen wollt. Jedoch verliert das Spiel so natürlich auch Nervenkitzel. Eine dauernde Bedrohung sind damit nämlich nur die computergesteuerten Gegner und diese sind meistens keine Herausforderung. Kämpfe gegen echte Spieler werden aktiviert, wenn ihr von einem anderen Spieler angeschossen werdet und das Feuer erwidert. Jedoch hat hier auch immer der Spieler, auf dessen Antwort gewartet wird, die bessere Chance, denn er kann in Ruhe nochmal seine beste Waffe aussuchen und sich Zeit lassen, den anderen Spieler zu treffen, denn er ist ja unverwundbar, bis er auch den Mitspieler angreift.

Insgesamt hat man den Eindruck, dass die Entwickler nicht genau wussten, ob sie ein Singleplayer- oder Multiplayer-Spiel entwickeln wollen. Beide Komponenten wirken nicht vollkommen ausgereift und zusammen passen sie dann ohnehin nur schwerlich zusammen. Insgesamt ist Fallout 76 kein Totalreinfall. Man kann durchaus einige Stunden im virtuellen West Virginia verbringen und es gibt einige Highlights wie vereinzelte kleine Missionen oder schöne Schauplätze. Insgesamt haben Liebhaber von Einzelspieler-Rollenspielen aber in einem reinen Einzelspieler-Erlebnis wie Fallout 4 oder The Witcher 3 mehr Spaß und wer auf Multiplayer- oder Koop-Spiele steht, findet auch bessere Alternativen.

In der oben angesprochenen E3-Präsentation scherzte Todd Howard auch noch, dass er im Internet gelesen hätte, seine Spiele hätten in der Vergangenheit auch gerne mal kleine Bugs gehabt. Tatsächlich ist es kein Geheimnis, dass Titel aus dem Hause Bethesda gerne mal kleinere Fehler haben, die in unzähligen YouTube-Videos auch gerne mal für den ein oder anderen Lacher zu gebrauchen sind. Auch Fallout 76 bleibt hiervon nicht verschont. Regelmäßig stoßt ihr auf kleinere Fehler und vereinzelt hatten wir auch Verbindungsprobleme bzw. wurden unerklärlicherweise vom Server getrennt. Dennoch gab es bereits vor wenigen Tagen wieder ein neues 50 GB großes Update. Somit ist Bethesda zumindest zu Gute zu halten, dass sie das Spiel dauernd überarbeiten und verbessern. Kaum zu verbessern ist aber wohl die gesamte Präsentation des Spiels. Leider wirkt die Grafik und Animationen nicht mehr zeitgemäß. Bei Fallout 4 im Jahr 2015 konnte man bei der Technik noch ein Auge zudrücken. Nun sind wir aber schon im Jahr 2018 und wenn sich Fallout 76 mit anderen Top-Titeln vergleichen lassen will, zieht es klar den Kürzeren.


6.0/10
Was ist Fallout 76 nun? Für ein Multiplayer-Erlebnis trifft man zu selten auf andere Mitspieler und die Onlinefunktionen wirken nicht ausgereift. Doch es wirkt auch nicht wie ein ausgereiftes Einzelspieler-Erlebnis, denn ihr begegnet keinerlei interessanten Charakteren, da die Story lediglich durch Roboter und Audiologs erzählt wird. Dem Charme der Fallout-Vergangenheit wird man hier nicht gerecht. Dazu kommen einige Spielfehler und eine Technik, die langsam in die Jahre gekommen ist. Wer sich voll auf Audiologs und die Texte im Spiel einlässt, wird einige spaßige Spielstunden haben können. Möchte sich Fallout 76 aber mit vergangenen Titeln der Serie messen lassen, zieht es den Kürzeren.

Offizielle Webseite zum Spiel
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