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Test: Red Dead Redemption 2

Wahrscheinlich war es dem unglaublichen Erfolg von Grand Theft Auto Online geschuldet, dass wir so lange auf ein neues Einzelspielererlebnis von Rockstar Games warten mussten. Rockstar Games ist wie kein anderes Studio bekannt dafür, beeindruckende Open-World-Spiele zu entwickeln. Dennoch ist nach dem Release von Grand Theft Auto V im Jahr 2013 kein wirklich neues Spiel erschienen; dafür aber unzählige Erweiterungen für das eben genannte Grand Theft Auto Online, das durch Mikrotransaktionen bis heute ordentlich Geld in die Kassen spült. Fans mussten sich also lange gedulden. Bis jetzt! Mit Red Dead Redemption 2 ist seit gut einer Woche der nächste Teil der Western-Serie aus dem Hause Rockstar Games erhältlich. Werden hier wieder Maßstäbe gesetzt?

In Red Dead Redemption 2 verschlägt es euch in das Amerika des Jahres 1899. Damit spielt es zeitlich sogar noch vor dem 2010 erschienen Red Dead Redemption für Xbox 360 und Playstation 3 und ist sozusagen die Vorgeschichte zu einigen Bestandteilen. Ihr übernehmt im Spiel die Rolle von Arthur Morgan, einem Gesetzlosen, der zusammen mit seiner Bande nach einem missglücktem Raubüberfall in der Stadt Blackwater auf der Flucht ist. Zusammen mit der Gang streift ihr nun durch Amerika und seid auf der Suche nach neuen Einnahmequellen und natürlich bahnen sich auch innerhalb der Bande so einige Konflikte an.

Leider kommt Red Dead Redemption 2 zunächst jedoch nur langsam in Fahrt. Zu Beginn des Spiels ist euch noch nicht die komplette Karte geöffnet und ihr erledigt einige Missionen, die als Tutorial für das Jagen oder Schießen dienen. Ein richtiger Wow-Effekt zu Beginn bleibt hier aus. Vielleicht auch, weil die ganze Welt kein vergleichbares Wohlfühlgefühl vermittelt, wie der Start von Grand Theft Auto 5 am virtuellen Venice Beach.

Typisch für Spiele aus dem Hause Rockstar Games gibt es in der offenen Welt so einiges zu tun. Ihr erledigt Story-Missionen und kümmert euch um euer Lager. Das benötigt nämlich stets Nachschub wie z.B. Fleisch oder kann durch Geldspenden aufgerüstet werden. Hier findet ihr außerdem die Möglichkeit zu schlafen oder etwas zu essen. Ihr müsst euch auch um euren Charakter sorgen, denn wenn er lange keinen Schlaf mehr hatte, sieht er todmüde aus und ist nicht mehr für die Cowboy-Action geeignet. Auch Mahlzeiten solltet ihr zu euch nehmen und dann müsst ihr euch auch noch darum kümmern, eure Waffen zu putzen und das Pferd zu versorgen. Zu eurem Pferd solltet ihr nämlich eine innige Beziehung pflegen. Das macht ihr, indem ihr es immer mal wieder streichelt, striegelt und auch mal etwas Essbares abgebt. Ein zufriedenes Pferd ist nicht nur schneller und wendiger sondern kann auch viel bessere Reitmanöver vollziehen. Zudem solltet ihr stets auf euer Pferd aufpassen, da es wichtige Utensilien wie zusätzliche Waffen mitführt. Ihr könnt stets nur eine bestimmte Anzahl an Schießeisen selbst mitnehmen. Vor einer Mission müsst ihr also überlegen, welche Waffen ihr von eurem Pferd übernehmt und für den Kampf nutzt.

Das klingt nach einer ganzen Menge Realismus, die die Entwickler ins Spiel gepackt haben. In der Tat ist es auffällig, dass ihr euch um viel kümmern müsst, worauf andere Spiele gar keinen Wert legen. Beispielsweise wächst Arthurs Bart mit der Zeit oder die Kleidung wird zunehmend schmutzig, wenn ihr euch länger nicht umzieht oder wascht. Auch beim Häuten von gejagten Tieren wird euch nicht einfach das Fell oder Fleisch ins Inventar hinzugefügt sondern das Spiel lässt eine realitätsnahe Animation ablaufen, wie Arthur die Beute zerlegt. Das mag nicht jedem Spieler gefallen, da es durchaus Zeit kostet, insgesamt sind diese ganzen Kleinigkeiten aber begrüßenswert, da sie Red Dead Redemption 2 gerade dadurch so einzigartig machen. Das Rasieren oder Essen kochen ist nie besonders nervig, da ihr es nicht wirklich zeitlich realitätsgetreu erleben müsst. Immerhin handelt es sich hier nicht um einen Ableger der Sims-Reihe. Die vielen kleinen realistischen Ansätze sorgen aber für einen hohen Detailreichtum und genau dieser zeichnet Red Dead Redemption 2 aus.

Rockstar Games war schon immer für viele kleine Details in Spielen bekannt. In Red Dead Redemption 2 setzen sie hier nochmals eine Schippe drauf. Bereits in den ersten Spielstunden werden euch unzählige Details auffallen, worüber andere Spieleentwickler wahrscheinlich nicht mal nachgedacht haben. Beispielsweise erschrecken eure Pferde und bäumen sich auf, wenn jemand plötzlich in die Luft schießt. Oder als ihr einen Gefangenen auf euer Pferd schnallt, fällt ihm der Hut vom Kopf. Solche Details sind in Red Dead Redemption 2 nicht in irgendwelchen Zwischensequenzen eingearbeitet sondern direkt ins Spiel integriert und genau daher wirkt es so realitätsnah und es macht so viel Spaß, die Welt zu erkunden.

Neu ist nun auch, dass ihr oft Entscheidungen treffen könnt, wie ihr eine Mission angehen wollt. Oft gibt es hier auch einen „guten“ und einen „bösen“ Weg. Diese Entscheidungen beeinflussen eure Ehre. Vollbringt ihr nur gute Taten, seid ihr angesehen. Bei bösen Vorgehen, werdet ihr in den Städten gefürchtet sein. Natürlich gibt es auch wieder ein Fahndungssystem. Begeht ihr ein Verbrechen, habt ihr oft noch die Möglichkeit, Zeugen abzufangen und zu beeinflussen. Ansonsten werden Gesetzeshüter euch suchen und es wird ein Kopfgeld auf euch ausgesetzt. Das ist für jeden Staat im Spiel einzigartig, ihr könnt also in einem Teil der Karte dringend gesucht sein, in einer anderen Ecke euch jedoch frei bewegen.

Insgesamt habt ihr in Red Dead Redemption 2 genug zu tun. Neben den umfangreichen Story-Missionen gibt es noch kleinere Nebenquests, hunderte Tiere zu jagen, Herausforderungen, Kopfgeld-Aufträge, Überfälle und viele kleine Nebenaktivitäten wie Poker, Black Jack oder Domino. Der Singleplayer wird euch lange vor dem Bildschirm fesseln und dann wäre da ja auch noch Red Dead Online, das Multiplayer-Erlebnis, das noch im November starten soll. Technisch ist Red Dead Redemption 2 ohne Frage eines der grafisch hochwertigsten Spiele der aktuellen Konsolengeneration. Die Weitsicht ist phänomenal und vor allem die Lichteffekte begeistern. Wenn eure Laterne im Schneegestöber etwas Licht spendet oder die Sonne in der Ferne untergeht, zeigt der Titel was er auch technisch zu bieten hat. Das alles mit bis auf beim Spielstart kaum auffallenden Ladezeiten. Typisch für ein Rockstar-Spiel ist jedoch nur eine englische Synchronisation mit deutschen Untertiteln an Bord.


9.5/10
Red Dead Redemption 2 hat nur einige minimale Schwachstellen. Dies fällt bei einem Spiel solchen Umfangs aber kaum ins Gewicht, denn Erzählweise, Grafik und spielerische Freiheit sind hier auf Hochglanz poliert, wie man es aus dem Hause Rockstar Games gewohnt ist. In Summe erhaltet ihr hier nicht viel weniger als ein Meisterwerk und wahrscheinlich eines der besten Spiele dieser Konsolengeneration.

Offizielle Webseite zum Spiel
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